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9.11.2007 | Von:
Sven Plöger

Wetter und Klimawandel - Essay

Umgang mit der Klimaänderung

Trotz der verschiedenen Blickwinkel: Kaum jemand wird heute noch ernsthaft behaupten, dass all unser Wissen ein einziger großer Irrtum ist und man das Thema Klimaänderung getrost ignorieren könne. Die menschliche Gesellschaft ist Opfer und Täter zugleich, und deshalb besteht mehr oder weniger Einigkeit darüber, dass eine Strategie aus Vermeidung von Treibhausgasemissionen und Anpassung an den Klimawandel erforderlich ist, um künftigen Generationen ein lebenswertes Umfeld zu bieten. Der Erde ist es gleichgültig, ob die Alpen zerbröckeln oder Küstenstreifen überschwemmen - das hat sie alles schon erlebt und überlebt. Es geht um uns, denn wir reagieren viel sensibler auf schnelle Umweltveränderungen.

Es besteht weit reichender persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Handlungsbedarf - schon allein aus ethischen Überlegungen. Wir stehen vor keiner geringeren Aufgabe, als in einer relativ kurzen Zeit eine für die verschiedensten Kulturen dieser Welt transparente und effiziente Strategie zu entwickeln, wie wir die für die menschliche Gesellschaft notwendige Energie so umweltschonend wie möglich gewinnen können. Dieser Satz ist zwar eine Folge der aktuellen Klimadiskussion, er bleibt aber auch ohne jeglichen Klimawandel sinnvoll - allein dadurch, dass unsere fossilen Ressourcen ohnehin begrenzt sind. Ganz nebenbei macht er übrigens auch einige Grabenkämpfe zwischen Wissenschaftlern und Kritikern obsolet.

Das alles klingt zwar wie eine schier unlösbare Aufgabe. Sich aber deshalb lähmen zu lassen, führt nicht weiter. Vielmehr geht es darum, den Klimawandel als Chance für die technologische Entwicklung zu begreifen. Gerade hier kann ein "Hochpreisland" wie Deutschland Vorreiter sein, inklusive der Möglichkeit umfassenden Technologieexports. Um einen solchen Weg entschlossen zu beschreiten, motiviert es, auf vergangene Erfolge zurückzublicken: FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) z. B. werden kaum noch produziert, und so wird das Ozonloch aller Wahrscheinlichkeit nach in einigen Jahrzehnten deutlich kleiner werden. Auch dass das Waldsterben harmloser blieb als prognostiziert, hat weniger mit einer damaligen Fehleinschätzung zu tun als mit der erfolgten konsequenten Reduktion des Schwefeldioxidausstoßes.

Der Klimawandel ist die große Herausforderung in diesem Jahrhundert, eine globale Herausforderung, die einer globalen Lösung bedarf. Was aber bedeutet "global"? Nichts anderes als die Summe vieler Orte. Global kann man ein Problem daher nur lösen, in dem man an ganz vielen Orten, also lokal, anpackt. Erst aus der Summe der lokalen Lösungen setzt sich der globale Erfolg zusammen. Der Satz "Unser Beitrag ist ohnehin nichtig, das muss global gelöst werden" geht meilenweit am Begriff "global" vorbei - es kommt auf jeden an.