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9.11.2007 | Von:
Steffen Bauer
Carmen Richerzhagen

Nachholende Entwicklung und Klimawandel

Fazit

Die naturräumlichen Auswirkungen einer ungebremsten globalen Erwärmung sowie eine krisenhafte Beeinträchtigung der Weltwirtschaft würden nicht zuletzt auch die Ankerländer treffen. Deren Ziele einer fortgesetzten Weltmarktintegration und der nachholenden Entwicklung würden je nach Intensität und Ausprägung des Klimawandels unterminiert.

Mit der Gefährdung existenzieller Lebensgrundlagen durch den Klimawandel werden essenzielle Menschenrechte wie das Recht auf den Zugang zu Trinkwasser und das Recht auf Ernährung faktisch ausgehöhlt. Bislang sind dafür vor allem die Industrieländer verantwortlich zu machen, deren Entwicklung maßgeblich auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruht. Bei anhaltendem ökonomischem und weltpolitischem Aufstieg dürften aber auch die großen Ankerländer gegenüber ihren Partnern innerhalb der "Gruppe der 77" zunehmend in Erklärungsnot geraten. Insbesondere die emissionsstarken asiatischen Riesen China und Indien müssen sich darauf einstellen, von den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Entwicklungsländern mit auf die Anklagebank gesetzt zu werden. Der Klimawandel könnte den internationalen Menschenrechtsdiskurs nachhaltig verändern und die Industrie- und Ankerländer einem Rechtfertigungszwang aussetzen, der sie in ihren globalen Gestaltungsmöglichkeiten beeinträchtigen würde.

Die Erfordernisse der internationalen Klimapolitik verdeutlichen, dass die Zusammenarbeit mit Ankerländern von großer Bedeutung ist. Dabei geht es in Ländern wie China nicht mehr um klassische "Entwicklungshilfe", sondern um globale Strukturpolitik zur Lösung globaler Probleme, die von Einzelstaaten nicht wirksam bearbeitet werden können. Das bedarf der Unterstützung gesellschaftlicher Reformprozesse, der Stärkung institutioneller Kapazitäten und des Technologie- und Wissenstransfers.

Die unterschiedlichen nationalen und internationalen Akteure der Entwicklungszusammenarbeit verfügen über ein geeignetes Instrumentarium, um die dynamischen Ankerländer auf dem Weg zu nachhaltigen Entwicklungspfaden zu unterstützen. Langfristig werden nur stabile, dynamische und kooperationsorientierte Ankerländer die ihnen zugedachte Lokomotivfunktion für ihre kleineren und schwächeren Nachbarn wahrnehmen können. Die Ankerländer sind entscheidende Partner zur Lösung globaler Probleme. Der Klimawandel ist dabei nur die dringendste, aber keineswegs die einzige Herausforderung.