APUZ Dossier Bild

14.9.2007 | Von:
Christian Wagner

Außenpolitik Pakistans zwischen Kaschmir und Afghanistan

Die trilateralen Beziehungen zwischen 1989 und 2001

Ende der 1980er Jahre veränderten sich die Beziehungen zwischen Pakistan, Indien und Afghanistan grundlegend. Die Sowjetunion hatte sich 1989 endgültig aus Afghanistan zurückgezogen. Pakistan fürchtete eine nationalistische Regierung der Paschtunen, deren traditionell gute Beziehungen mit Indien die Gefahr einer Einkreisung Pakistans heraufbeschworen. Aslam Beg, der nach dem Tod Zia-ul Haqs 1988 das Amt des Armeeoberbefehlshaber übernommen hatte, skizzierte die Grundzüge einer neuen Strategie, in der Afghanistan als Hinterland Pakistans fungieren solle. Durch eine "freundliche", d.h. von Pakistan kontrollierte Regierung in Kabul, sollte Pakistan angesichts eines möglichen Konflikts mit Indien an strategischer Tiefe gewinnen. Zudem sollte Afghanistan als Ausbildungslager und Rückzugsgebiet für militante kaschmirische Gruppen dienen.[10]

Die pakistanische Strategie, militante islamistische Gruppen zur Durchsetzung der außenpolitischen Interessen gegenüber Indien und Afghanistan einzusetzen, funktionierte in den 1990er Jahren. Pakistan unterstützte seit Anfang der 1990er Jahre die Taliban, deren religiöse Ausrichtung ein Gegengewicht zum paschtunischen Nationalismus sein sollte. Als die Taliban 1996 schließlich die Macht in Kabul errangen, war Pakistan eines der wenigen Länder, das die neue Regierung Afghanistans anerkannte. Im indischen Teil Kaschmirs war nach den gefälschten Landtagswahlen 1987 eine muslimische Protestbewegung entstanden. Der ISI nutzte die Revolte und unterstützte islamistische Gruppen, wie die Hizb-ul-Mujahideen (HM), die einen Anschluss an Pakistan sowie eine Islamisierung Kaschmirs forderte. Zudem ging der ISI dazu über, ehemalige Mujahedin aus Afghanistan nach Kaschmir einzuschleusen. Indien setzte auf eine militärische Niederschlagung des Aufstands in Kaschmir, was in den 1990er Jahren zu einer bis dahin nicht gekannten Eskalation der Gewalt führte.

Mit den Atomtests Indiens und Pakistans im Mai 1998 schien sich die Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung zwischen beiden Staaten über Kaschmir zu erhöhen. Im Februar 1999 kam es jedoch mit der Erklärung von Lahore zu einer kurzfristigen Annäherung, die durch die pakistanische Infiltration in Kargil und den anschließenden Krieg zwischen Indien und Pakistan nach wenigen Monaten abrupt endete. Das nukleare Gleichgewicht brachte somit keine wirkliche Abschreckung, da der Einsatz nichtstaatlicher Akteure weiterhin kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Staaten ermöglichte. Politisch zielte Pakistan mit dieser Strategie auf eine Internationalisierung des Kaschmirkonflikts ab, die von Indien strikt abgelehnt wurde.

Fußnoten

10.
Vgl. Aslam Beg, zit. in: Rifaat Hussain, Pakistan's relation with Afghanistan: Continuity and Change, in: Strategic Studies (Islamabad), 22 (Winter 2002) 4, S. 43 - 75.