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24.7.2007 | Von:
Andreas Zick
Beate Küpper

Antisemitismus in Deutschland und Europa

Nachbetrachtung

Bei aller Kritik an Umfragen, die wir an anderer Stelle ausführlicher diskutiert haben,[29] lassen sich die Befunde schwerlich ignorieren. Antisemitische Einstellungen sind nach wie vor weit verbreitet. Dies gilt für fast alle europäischen Länder, aber gerade für Deutschland, obgleich hier der Kampf gegen den Antisemitismus institutionalisiert und die öffentliche Ächtung besonders vehement sein sollte. Die Ergebnisse zeigen, dass die wenigsten keiner der Facetten des Antisemitismus - auch nicht tendenziell - zustimmen.[30]

Die anti-normative Kraft des Antisemitismus wird durch drei wesentliche Merkmale verstärkt. Er zeigt sich in vielen Facetten, er ist eingebettet in ein Syndrom der Abwertung schwacher Gruppen, und er ist stark in der Mitte der Gesellschaft verhaftet. Umfragen wie jene, die hier berichtet wurden, zeigen nur einen Ausschnitt der Mentalitäten, aber sie sind wichtige Seismographen. Die Einstellungsmustern machen deutlich, dass es illusorisch, ja irreführend ist zu meinen, dass antisemitische Mythen je völlig verschwinden werden. Den Antisemitismus mit wachem Blick immer wieder von neuem zu lesen und so seine legitimierende Funktion zu erkennen, ist die kontinuierliche und mühevolle Aufgabe einer demokratischen Werteerziehung, deren Grundlage die Gleichwertigkeit von Gruppen ist.

Fußnoten

29.
Vgl. Andreas Zick/Beate Küpper, Antisemitismus in Deutschland: Das traditionelle Vorurteil und seine Transformationen, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Dossier "Rechtsextremismus"; www.bpb.de/themen/CTEAZV,0,Antisemitismus_in_ Deutschland.html
30.
Empirisch zeigt sich, dass die Facetten des Antisemitismus überzufällig zusammenhängen, d.h. in der Regel stimmen Befragte nicht nur einer, sondern mehreren Facetten zu.