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24.7.2007 | Von:
Klaus Wahl

Fremdenfeindliche Täter

Antisemitische Täter

"Soweit ich mich erinnern kann, habe ich schon immer Wut gehabt, schon immer Hass. Schon von Kindesbeinen auf. Genauso wie den Judenhass. Den Antisemitismus, den ich immer habe, das ist was - ich versuche da irgendwie dahinter zu kommen, aber ich komm nicht dahinter, warum ich Antisemit bin" (Horst).

Meist können sich die Täter nicht erinnern, ab wann sie von Juden gehört und antisemitische Einstellungen entwickelt haben. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und rechtsextreme Ideologen sind vielfach in einer Mischung vorhanden, allerdings mit Differenzierungen. Auf der einen Seite spulen diese Täter die bekannten böswilligen Stereotypen ab: "Juden, das sind einfach Schlitzohren" (Dietmar). "Ich habe mit denen nicht viel am Hut (...) Die haben sowieso ihre Hände in Politik und überall mit drin" (Frank). "Jedes Land hasst Juden" (Horst). Andererseits finden sich vorsichtige Distanzierungen: "Das fand ich schon damals bei Hitler nicht so toll, dass da so die ganzen Juden systematisch vernichtet wurden" (Chris). "Juden sind mir egal. Mit Juden habe ich nichts zu tun" (Benny).

Antisemitische Gewalttaten sind heute viel seltener als allgemein fremdenfeindliche oder rechtsextremistische Straftaten. Gelegentlich kommen sie unter aberwitzigen Bedingungen zustande. So gibt es naiv geplante und daher gescheiterte sozialpädagogische Versuche, durch Konfrontation von rechtsextremen Tätergruppen mit Juden moralische Aufklärung zu betreiben. Ein rechtsextremer Gewalttäter berichtet:

"Wir sollten drei Wochen nach Israel. Aber ich habe nach einer Woche lebenslanges Einreiseverbot gekriegt (...) Wir haben da Mist gebaut. Erst mal, die Klagemauer da, das komische Vieh, wo die da immer so beten und hoffen, dass Jesus kommt. Da haben wir mal davorgepinkelt. Dann haben wir einen Juden zusammengeschlagen, der uns beschimpft hat. Dann haben wir uns mit der Polizei geprügelt (...) Wir waren damals 30 Jugendliche, nur zwei sind bis zum Schluss der Maßnahme geblieben (...) Es waren Sozialarbeiter dabei und man wollte uns mit jüdischen Jugendlichen zusammenbringen, das konnte nur schief gehen" (Harald).