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24.7.2007 | Von:
Klaus Wahl

Fremdenfeindliche Täter

Prävention im vorpolitischen Raum

Die altersspezifische Umwelt von Kindern ist von Erwachsenen gestaltbar.[13] Angesichts der nachhaltigen Wirkung der biologischen Grundausstattung und früher Sozialisationserfahrungen auf das kindliche Aggressionsniveau muss Prävention aber frühzeitig und andauernd ansetzen, um effektiv und nachhaltig wirken zu können. Viele Eltern sind auf Kindererziehung heute wenig vorbereitet. Durch die seit langem abnehmende Kinderzahl gibt es weniger Verwandte und damit weniger "natürliche" Vorbilder (z.B. ältere Geschwister), bei denen man abschauen kann, wie andere Eltern mit Kindern umgehen. Eltern sind also auf "Fortbildung" in Sachen Erziehung angewiesen, auf Zeitschriften, Bücher, Fernsehsendungen und Elternbildungskurse. Der Erfolg der Serie "Super Nanny" gibt zu denken.[14] Die Ausbildungsinhalte von Erzieherinnen und Lehrern reichen nicht aus, um riskante emotionale und aggressive Entwicklungen zu diagnostizieren und zu behandeln; diese Berufsgruppen brauchen entsprechende Nachhilfe.[15]

Emotionales und soziales Lernen sind noch recht blinde Flecke unseres Bildungssystems. Polizei, Jugendarbeit und Politik sind oft auf die spektakulären Fälle von Jugendlichen, wie etwa gewalttätige Skinheads, fixiert. Aber die schießen nicht mit 16 Jahren wie Pilze aus der Erde, sie haben eine Vorgeschichte. Wegen der größeren Wirksamkeit von Maßnahmen, die früh in den Ursachenketten ansetzen, sind frühe Präventionsansätze beim kleinen Kind aussichtsreicher, in Familie, Kindergarten und Schule, wo auch friedliche Konfliktlösungsmuster eingeübt werden können. So kann einer ganzen Bandbreite späterer Probleme vorgebeugt werden - frühe Programme wirken wie eine Art pädagogisches "Breitband-Antibiotikum".

In der Pubertät entscheidet sich, in welche soziale Richtung es weitergeht: zu den christlichen Pfadfindern, der Naturfreundejugend oder zu Hooligans, Skinheads und Neonazis. Ganztagsschulen und Jugendarbeit müssen den Jugendlichen attraktivere Freizeitangebote machen als bisher, um ihre Erreichbarkeit für u.U. problematische Jugendszenen zu senken.

Fußnoten

13.
Vgl. Dean Hamer/Peter Copeland, Das unausweichliche Erbe, Bern 1998, S. 121f.
14.
Vgl. Klaus Wahl/Katja Hees (Hrsg.), Helfen "Super Nanny" und Co.? Ratlose Eltern - Herausforderung für die Elternbildung, Berlin 2007.
15.
Vgl. Klaus Wahl, Vertragen oder schlagen?, Berlin 2007.