Atompilz über der japanischen Stadt Hiroshima am 06. August 1945

17.1.2020 | Von:
Johannes Piepenbrink

Editorial

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg – in Europa mit der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945, im asiatisch-pazifischen Raum mit der Kapitulation Japans am 2. September. Der von Deutschland entfesselte Krieg hatte unermessliches Leid nach sich gezogen, über 60 Millionen Menschen waren ihm zum Opfer gefallen. Mit dem Krieg wurde auch ein Menschheitsverbrechen von ungekanntem Ausmaß beendet: die industriell organisierte Ermordung der europäischen Juden. Zugleich begann mit den Befreiungen von Auschwitz, Buchenwald und den anderen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern die Aufklärung über die Shoah. Eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen folgte in Deutschland indes erst sehr viel später.

1945 markiert zudem den Beginn des nuklearen Zeitalters. Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Großstädte Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August waren so verheerend, dass die Nachkriegsordnung wesentlich vom Schrecken einer möglichen Wiederholung geprägt wurde. Nicht zuletzt das "atomare Gleichgewicht" zwischen den USA und der Sowjetunion verhinderte, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer wurde. Von wesentlicher Bedeutung für die Etablierung der Menschenrechte als globale Norm war die Gründung der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1945.

Die Zäsur des Jahres 1945 verliert jedoch an Klarheit, nimmt man die Kontinuität von Gewalthandlungen in den Blick: In Deutschland und insbesondere in Mittelosteuropa hielten mit Gewalt einhergehende Ausnahmezustände an; und in Asien und Afrika kämpften europäische Kolonialmächte noch jahrelang blutig gegen ihren Statusverlust beziehungsweise die ehemals Kolonisierten um ihre Unabhängigkeit. Die Folgen sind in den jeweiligen Ländern bis heute spürbar. Dass Deutschland und große Teile Europas seit einem Dreivierteljahrhundert in Frieden leben, ist keine Selbstverständlichkeit.

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