APUZ Dossier Bild

21.6.2007 | Von:
Danja Bergmann

Bioethik und die Scharia

Kritikpunkt soziale Folgen

Bestandteil der meisten Fatwas zur IVF-Methode sind Vorsichtsappelle und genaue Voraussetzungen zur Anwendung, die die Unbedenklichkeit des Eingriffes bescheinigen sollen. Der Anwendung der IVF-Methode im ehelichen Kontext scheint also nichts Prinzipielles entgegenzustehen. Dennoch sind die Voraussetzungen und Folgen des Verfahrens umstritten. Dabei beziehen sich die religionsrechtlichen Einwände der unterschiedlichen Gelehrten vor allem auf einzelne mit der IVF-Methode in Verbindung stehende Praktiken und Begleitumstände wie etwa die Sorge um die Bewahrung sexueller Sittsamkeit.[14] Kritisch sieht man die für eine medizinische Untersuchung notwendige Entblößung der Frau vor einem männlichen Arzt.

In denselben Kontext gehört die Ablehnung gegenüber der Stimulation des männlichen Sexualtriebes mit dem Zweck der Gewinnung von Samenflüssigkeit. Große Skepsis richtet sich auch gegen den möglichen Missbrauch von Antibabypillen als potenzieller Quelle von sexuell unsittlichem Verhalten. Eine ausführliche Erörterung der medizinischen Problematik des IVF-Verfahrens findet sich in den islamrechtlichen Stellungnahmen jedoch nicht - zum Beispiel mit Blick auf die Steigerung der Erfolgschancen durch die Implantation mehrerer befruchteter Eizellen, was für die Frau die Risiken einer multiplen Schwangerschaft birgt. Eine offene Frage ist außerdem, welcher Umgang mit den überschüssigen, nicht implantierten befruchteten und dann eingefrorenen Eizellen angemessen ist. In den meisten islamischen Ländern ist dies gesetzlich noch nicht geregelt.

Fußnoten

14.
Vgl. Art. "Ethics and Social Issues" in: Encyclopedia of Islam and the Muslim World, hrsg. von Richard L. Martin, Vol. 1 A-L, New York 2003, S. 224 - 230. Vgl. auch B. Krawietz (Anm. 11), S. 219 - 221.