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31.5.2007 | Von:
Tanja von Egan-Krieger
Konrad Ott
Lieske Voget

Der Schutz des Naturerbes als Postulat der Zukunftsverantwortung

Naturschutz

Die strukturellen Schwächen des Naturschutzes wurden vielfach aufgezeigt und analysiert.[21] Die Geschichte des deutschen Naturschutzes ist allerdings keineswegs nur eine Geschichte der Niederlagen. Der Gebietsschutz hat nicht zuletzt auch durch das Nationalparkprogramm des Jahres 1990 und durch die langwierige und konfliktreiche Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtline) einige Erfolge zu verzeichnen. Andererseits stößt der klassische Gebietsschutz an Grenzen. Aufgrund des hohen Überformungsgrades der umgebenden Landschaftsräume und verbunden mit beginnenden klimatischen Veränderungen ist der Gebietsschutz zwar nach wie vor das Rückgrat des Naturschutzes, bedarf aber der Erweiterung hin zu einer Ökologisierung der Landnutzung im Allgemeinen.

Was die entsprechenden Zielsysteme betrifft, so hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen eine Diskussionsgrundlage vorgelegt.[22] Zentrale Flächenziele, durch die das Naturerbe bewahrt werden soll, sind hier:
  • natürliche bzw. naturnahe Biotope auf ca. 3 - 5 % der Landesfläche;
  • extensiv genutzte, halbnatürliche Biotope auf 7 - 10 % der Landesfläche;
  • Entwicklung von Auenwald auf insgesamt ca. 200 000 ha;
  • Moorentwicklung auf 80 000 ha;
  • Entwicklung von Feucht- und Nassgrünland auf ca. 300 000 ha;
  • Schutz und Entwicklung von Mager- und Trockenrasen auf 200 000 ha;
  • standortangepasste wasserschonende Bewirtschaftung auf 8 Mio. ha;
  • Reduzierung der Flächeninanspruchnahme auf 30 ha/Tag sowie
  • Schutz der unzerschnittenen Räume.

    Mehrfach wurde zur Erreichung eines integrierten plausiblen Zielsystems eine nationale Naturschutz- bzw. Biodiversitätsstrategie gefordert,[23] die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen müsste: a) genetische Variabilität, b) Populations- und Artenschutz sowie c) Schutz der Biotope und Landschaftsformen. Die konzeptionellen Grundlagen zu einer solchen Strategie wurden im Umweltministerium im Jahre 2005 mit einem Fokus auf der Ebene der Biotoptypen bereits erarbeitet.

    Allerdings bestehen gegenwärtig im Kontext der Föderalismusreform, des Abbaus der Naturschutzverwaltungen in vielen Bundesländern[24] und der Arbeit am Umweltgesetzbuch (UGB) auch Gefahren, zentrale institutionelle Errungenschaften des Naturschutzes zu verspielen. So steht in Frage, welche Grundsätze des Naturschutzes in das UGB aufgenommen und damit den Abweichungsbefugnissen der Länder entzogen werden sollen. Folgende scheinen von besonderer Wichtigkeit:
  • Ein Konzept differenzierter Landnutzung als Grundlage für die Landschaftsplanung.
  • Der Vernetzungsgedanke, wie er von Bernd Heydemann schon in den 1980er Jahren entwickelt wurde. Diesem Gedanken wurde in der Novelle des BNatSchG 2002 im § 3 ("Biotopverbund") Rechnung getragen. Die dort genannten 10 % der jeweiligen Landesfläche stellen aus naturschutzfachlicher Sicht eine untere Grenze dar.
  • Die Eingriffsregelung. Ohne eine Eingriffsregelung dürfte sich der schon jetzt unbefriedigende Zustand weiter verschlechtern, was mit dem Regel- und Zielsystem unvereinbar ist. Die Ausgestaltung der Eingriffsregelung sollte auch "Flächenpool"-Lösungen einschließen. Flächen, die unter Naturschutz gestellt worden sind, sollten nicht als Ausgleichsflächen genutzt werden können.
  • Die Abwendung von einem statischen und teilweise musealen Naturschutz und die Hinwendung zu stärker prozessorientierten Konzepten.

  • Fußnoten

    21.
    Statt vieler Hartmut Bick/Horst Obermann, Stiefkind Naturschutz, Misere und Chancen des Naturschutzes in Deutschland, in: Henning von Köller (Hrsg.), Umweltpolitik mit Augenmaß. Gedenkschrift für Staatssekretär Dr. Günter Hartkopf, Berlin 2000.
    22.
    Vgl. SRU, Für eine Stärkung und Neuorientierung des Naturschutzes, Sondergutachten, Stuttgart 2002, S. 40 - 44.
    23.
    Vgl. ebd.; Ulrike Doyle u.a., Noch fünf Jahre bis 2010 - eine Biodiversitätsstrategie für Deutschland, in: Natur und Landschaft, 8 (2005) 80, S. 349 - 354.
    24.
    Vgl. SRU, Umweltverwaltungen unter Reformdruck. Herausforderungen Strategien und Perspektiven, Berlin 2007.