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16.5.2007 | Von:
Wolfgang Seifert

Integration und Arbeit

Bildung und Arbeitsmarktintegration

Bildungsstruktur: Die Bildungsstruktur von Männern mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet sich erheblich: Während nur 2,1 % der nicht zugewanderten Männer ohne Hauptschulabschluss bleiben, beträgt dieser Prozentsatz bei den Männern mit Migrationshintergrund 9,8 % und bei den türkischen Männern sogar 16,3 %. Über die (Fach-)Hochschulreife verfügen 46,5 % der nicht zugewanderten, 32,6 % der zugewanderten und 16,3 % der türkischen Männer.

Bei den Frauen sind diese Unterschiede noch stärker ausgeprägt. Während sich die Bildungsstruktur der nicht zugewanderten Frauen etwas positiver darstellt als bei der entsprechenden Gruppe von Männern, ist es bei ausländischen Frauen umgekehrt: 15,2 % der Frauen mit Migrationshintergrund haben keinen allgemeinbildenden Abschluss, bei den Türkinnen trifft dies auf nahezu ein Drittel zu (vgl. Abbildung 1 der PDF-Version).

Arbeitsmarktzugang nach Bildungsgrad: Die Erwerbsquote ist ein Indikator für die Erwerbsorientierung. Sie gibt den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) an allen Personen in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen wieder. Bei den Männern zeigt sich bei der Gruppe ohne allgemeinbildenden Abschluss, dass Zuwanderer und insbesondere Türken eine höhere Erwerbsneigung aufweisen als die kleine Gruppe nicht Zugewanderter ohne allgemeinbildenden Abschluss. Bei Männern mit (Fach-) Hochschulreife weisen zugewanderte Männer eine niedrigere Erwerbsquote auf als nicht zugewanderte, bei türkischen Männern dieser Bildungsgruppe liegt die Erwerbsbeteiligung hingegen nur wenig unter der von nicht Zugewanderten.

Bei Frauen zeigt sich ein anderes Bild. Bei allen Bildungsgruppen weisen zugewanderte Frauen eine niedrigere Erwerbsquote auf als nicht zugewanderte. Die Erwerbsquoten der türkischen Frauen sind jeweils niedriger als die der zugewanderten Frauen insgesamt. Für Frauen gilt, dass die Erwerbsquote mit dem Bildungsgrad ansteigt. Lediglich zugewanderte Frauen mit Fachoberschulreife beteiligen sich häufiger am Erwerbsleben als Frauen mit (Fach-)Hochschulreife. Von den nicht zugewanderten Frauen mit (Fach-)Hochschulreife zählen 81,4 % zu den Erwerbspersonen; bei den türkischen Frauen trifft dies lediglich für jede Zweite zu (vgl. Abbildung 2 der PDF-Version).

Die Erwerbstätigenquote (Anteil der Erwerbstätigen an den 25- bis 35-Jährigen) der zugewanderten und insbesondere der türkischen Männer ohne Hauptschulabschluss ist höher als die der nicht Zugewanderten ohne Abschluss. Bei den übrigen Bildungsgruppen ist dies umgekehrt. Am deutlichsten sind die Unterschiede bei der (Fach-)Hochschulreife. Von den nicht zugewanderten Männern mit diesem Abschluss sind 83,0 % erwerbstätig, von den zugewanderten sind es 70,6 % und von den türkischen Männern 64,3 %.

Bei den Frauen zeigen sich auf allen Bildungsstufen wesentlich stärkere Unterschiede. Von den nicht zugewanderten Frauen mit Hochschulreife sind 78,0 % erwerbstätig, während es bei den zugewanderten Frauen lediglich 55,6 % sind, bei türkischen Frauen 40,0 % (vgl. Abbildung 3 der PDF-Version).

Die Erwerbslosenquote (Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen) kann aufgrund der geringen Fallzahlen bei den höheren Qualifikationsgruppen für Türkinnen und Türken nicht ausgewiesen werden. Sowohl für zugewanderte als auch für nicht zugewanderte Männer ist die Erwerbslosenquote umso niedriger, je höher der Qualifikationsgrad ist. Die Werte für die Zugewanderten liegen jedoch jeweils höher, und die Unterschiede sind bei den höheren Bildungsgruppen stärker ausgeprägt als bei den niedrigen. Von den nicht zugewanderten Männern ohne Hauptschulabschluss sind 26,7 % erwerbslos, bei den zugewanderten ist es mit 31,4 % ein etwas größerer Teil. Von der Gruppe mit (Fach-)Hochschulreife sind 4,9 % der nicht zugewanderten, aber 13,6 % der zugewanderten Männer erwerbslos. Für Frauen ergibt sich ein ähnliches Bild, allerdings ist die Erwerbslosenquote der zugewanderten Frauen mit (Fach-)Hochschulreife (9,7 %) niedriger als die der zugewanderten Männer (vgl. Abbildung 4 der PDF-Version).

Die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund lässt sich zumindest zum Teil durch eine unterschiedliche Erwerbsorientierung erklären. Von den nichterwerbstätigen Frauen mit Migrationshintergrund haben 79,0 % keinen Erwerbswunsch. Differenziert nach dem Bildungsgrad sind die Unterschiede nur gering. Familiäre Verpflichtungen werden mit Abstand als wichtigster Grund für eine Nichterwerbstätigkeit genannt. Diese Erklärung kann jedoch nicht für die höhere Betroffenheit von Erwerbslosigkeit angeführt werden. Zwar lassen sich auch hier für die Personen mit Migrationshintergrund Bildungserträge in Form von niedrigeren Erwerbslosenquoten erkennen, doch gerade bei den Gruppen mit höherer Bildung ist die Erwerbslosenquote bei den Zugewanderten höher als bei der entsprechenden Vergleichsgruppe. Folglich vermitteln auch formal gleiche Bildungsabschlüsse keine gleichen Zugangschancen zum Arbeitsmarkt.

Stellung im Beruf: Für die Stellung im Beruf wird hier der Arbeiteranteil betrachtet. Dieser ist umso niedriger, je höher der Bildungsgrad ist. Allerdings ist der Arbeiteranteil bei den zugewanderten Männern auf allen Qualifikationsstufen jeweils deutlich höher. Von der Gruppe mit (Fach-)Hochschulreife sind 7,1 % der Männer ohne, aber 23,6 % der Männer mit Migrationshintergrund als Arbeiter tätig, bei den türkischen Männern dieser Bildungsgruppe sind es sogar 40,8 %. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Frauen. Allerdings unterscheidet sich der Arbeiterinnenanteil der Frauen ohne Bildungsabschluss nur unwesentlich nach dem Migrationshintergrund. Lediglich türkische Frauen ohne allgemeinbildenden Abschluss weisen mit 91,3 % einen überdurchschnittlich hohen Arbeiterinnenanteil auf. Bei Frauen mit Hauptschulabschluss sind die Unterschiede allerdings schon deutlich: 33,0 % der Frauen ohne, im Vergleich zu 55,4 % der Frauen mit Migrationshintergrund, sind als Arbeiterinnen tätig. Von den Türkinnen mit Hauptschulabschluss sind 68,3 % als Arbeiterinnen tätig. Von der Gruppe der Frauen mit (Fach-)Hochschulreife sind 2,8 % der Frauen ohne und 11,3 % der Frauen mit Migrationshintergrund als Arbeiterinnen tätig. Von den Türkinnen mit diesem Abschluss sind es mehr als ein Viertel (vgl. Abbildung 5 der PDF-Version).