30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

16.5.2007 | Von:
Wolfgang Seifert

Integration und Arbeit

Die komplette Integrationsbilanz: Eingebürgerte zählen mit

Wird der Blick nur auf Zuwanderer gerichtet, wird die Integrationsbilanz unterschätzt: Der integrierte Teil der ausländischen Bevölkerung ist nicht nur eher bereit, sich einbürgern zu lassen, die Einbürgerung setzt auch ein Mindestmaß an Integration voraus. Voraussetzungen sind unter anderem eine ausreichende Sprachkompetenz und das Bestreiten des eigenen Lebensunterhalts. Außerdem ist eine Einbürgerung in der Regel erst nach acht Jahren Aufenthalt in Deutschland möglich (§ 85 Abs. 1 AuslG). Aus Fallzahlgründen wird für den folgenden Vergleich nicht die 25- bis 35-jährige Bevölkerung betrachtet, sondern die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre).

Die Bildungsstruktur von Eingebürgerten unterscheidet sich deutlich von jener ausländischer Personen. Während 13,3 % der Eingebürgerten im Jahr 2005 ohne schulischen Bildungsabschluss sind, liegt dieser Wert bei der ausländischen Bevölkerung bei 24,0 %. Über eine (Fach-)Hochschulreife verfügen 31,2 % der Eingebürgerten im Vergleich zu 23,4 % der ausländischen Bevölkerung. Bei Personen türkischer Herkunft zeigen sich noch deutlichere Bildungsunterschiede als bei Personen ausländischer Herkunft insgesamt. 20,4 % der Eingebürgerten türkischer Herkunft sind ohne allgemeinbildenden Schulabschluss, bei der Gruppe mit türkischer Nationalität sind es hingegen 38,3 %. Die (Fach-) Hochschulreife haben 20,5 % der Eingebürgerten türkischer Herkunft, aber 8,1 % derer mit türkischer Nationalität (vgl. Abbildung 8 der PDF-Version).

Auch in den Arbeitsmarkt sind Eingebürgerte besser integriert als Ausländerinnen und Ausländer. Die Erwerbstätigenquote (Anteil der Erwerbstätigen an der 15- bis 65-jährigen Bevölkerung) der Eingebürgerten liegt mit 56,2 % deutlich über der der ausländischen Bevölkerung mit 48,0 %. Von den Eingebürgerten türkischer Herkunft sind 52,5 % erwerbstätig, bei der Gruppe mit türkischer Nationalität dagegen nur 40,9 %. Eingebürgerte sind in geringerem Maße von Erwerbslosigkeit betroffen als ausländische Staatsangehörige. Die Erwerbslosenquote der Eingebürgerten lag bei 17,8 %, die der ausländischen Staatsangehörigen bei 22,4 %. Bei den Eingebürgerten türkischer Herkunft liegt die Erwerbslosenquote bei 19,7 %. Bei türkischen Staatsangehörigen liegt sie mit 25,3 % deutlich höher.

Eingebürgerte sind im Vergleich zu Ausländerinnen und Ausländern häufiger als Angestellte und seltener als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig. 2005 waren 51,2 % der Gruppe mit ausländischer Nationalität in Arbeiterberufen tätig, bei den Eingebürgerten dage- Tabelle: Merkmale der Arbeitsmarktintegration von Eingebürgerten in NRW 2005 gen nur 40,7 %. Auch für Eingebürgerte türkischer Herkunft gilt, dass sie deutlich häufiger als Angestellte und seltener als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig sind als Personen mit türkischer Nationalität. Hier sind die Unterschiede jedoch deutlich stärker ausgeprägt als bei Eingebürgerten insgesamt. 49,1 % der Eingebürgerten türkischer Herkunft sind als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig, bei der Gruppe mit türkischer Nationalität sind es 69,1 % (vgl. die Tabelle der PDF-Version).