APUZ Dossier Bild

11.5.2007 | Von:
Thomas Risse
Ursula Lehmkuhl

Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit

Schlussfolgerungen

Wir haben in diesem Beitrag argumentiert, dass sich Politik und Wissenschaft in Zukunft verstärkt mit der Governance-Problematik in Räumen begrenzter Staatlichkeit beschäftigen müssen. Zurzeit orientiert sich die internationale Gemeinschaft bei ihren Hilfsmaßnahmen zur (Wieder-)Herstellung von Staatlichkeit noch fast vollständig am Idealbild des entwickelten und demokratischen Wohlfahrtsstaates westlicher Prägung. Wenn wir es aber mit Räumen begrenzter Staatlichkeit als Regel- und nicht als Ausnahmefall zu tun haben, dann ist diese Zielvorgabe weder praktikabel noch normativ geboten. Wenn Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit in Zukunft systematisch auf die Mitwirkung nichtstaatlicher Akteure, auf nichthierarchische Steuerungsformen und die Beteiligung der internationalen Gemeinschaft angewiesen ist, dann kommt es vor allem darauf an, die Erfolgsbedingungen dieser "neuen" Governance-Formen zu bestimmen.

Normatives Kriterium müsste sein, wie unter den Bedingungen begrenzter Staatlichkeit legitim und effektiv - d.h. an Problemlösungsfähigkeit orientiert - regiert werden kann, ohne dass ein bestimmtes, von westlichen Erfahrungen geprägtes kulturelles Skript die Vorgabe bildete. Gerade der historische Vergleich hilft hier, systematische Blindstellen des Governance-Konzepts in den Blick zu nehmen. Nur auf diese Weise könnte im Übrigen auch dem Verdacht begegnet werden, es gehe bei "good governance" letztlich um eine neue Form des westlichen Imperialismus und Kolonialismus.