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2.5.2007 | Von:
Sabine Hofmann

Außenwirtschaftliche Kooperation im Vorderen Orient

Regionalpolitische Wirtschaftsagenden

In Israel spielten Fragen der wirtschaftlichen Integration im Vorderen Orient bis zum Ende des Kalten Krieges keine große Rolle. Die Regierungen betrachteten die Position Israels von seiner Stärke aus, ob dies nun die militärische Vormachtstellung oder die ökonomische Dominanz betraf. Der Bereich der Wirtschaft bildete einen immanenten Teil der politischen Regelung und der Sicherheitskonzeption.[11]

Inspiriert vom Integrationsprozess in Westeuropa hatte Shimon Peres schon früh erkannt, dass die Politik angesichts der wachsenden Rolle von Technologie und Wirtschaft neue Instrumente zur Stabilisierung der Region nutzen musste. Er forderte Technokraten und Unternehmer des Landes auf, stärker außenwirtschaftlich zu agieren, wodurch sie Peres' Regionalstrategie und die Regierung Rabin stützten. Mittels wirtschaftlicher Kooperation wollte Peres Israel in der Region vernetzen und stabilisieren. Israel sollte in deren Zentrum die Brücke zwischen den arabischen Staaten und den Industriestaaten bilden:[12] Die Kooperation schien auf Grund der Komplementarität der Produktionsfaktoren in Israel und den arabischen Staaten wirtschaftlich sinnvoll; nationale Projekte konnten durch Kooperation eher rentabel sein (etwa ein gemeinsamer Hafen).[13]

Damit hatte sich erstmals eine israelische Regierung programmatisch zur Kooperation mit arabischen Staaten bekannt, jedoch ohne einen Hinweis auf die Asymmetrie zwischen den Volkswirtschaften anzuführen. In den arabischen Staaten wiederum überwogen Befürchtungen vor Israels wirtschaftlicher Dominanz und politischer und militärischer Kontrolle. Überrascht von der Dynamik der Wirtschaftsplanung und den zahlreichen ausgearbeiteten Projekten, blieb die Sorge, dass Israel mit seiner modernen Technologie regionale Netzwerke monopolisieren würde und die arabischen Staaten die Kontrolle über ihre eigenen Potenziale verlieren könnten.[14]

Liberale und pragmatische Kreise der Business Communities in den arabischen Staaten sind an einer weiteren Öffnung gegenüber Israel interessiert. Der technologische Vorsprung Israels stellt für sie keine Gefahr, sondern eine Chance für das eigene Unternehmen dar. Diese Geschäftsleute setzen auf den kaufkräftigen Markt in Israel und den Zugang zum Markt in den Autonomie- und den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten, auf das Know-how israelischer Unternehmen und eine Expansion ihres Unternehmens mit israelischen Geschäftspartnern.

Fußnoten

11.
Wie im Friedensvertrag mit Ägypten vom März 1979 fallen die ökonomischen Beziehungen unter die "normal relationship" zwischen Israel und den arabischen Staaten. In Artikel III heißt es: "The Parties agree that the normal relationship between them will include full recognition, diplomatic, economic and cultural relations, termination of economic boycotts and discriminatory barriers to the free movement of people and goods, and will guarantee the mutual enjoyment by citizens of the due process of law." Egypt-Israel Peace Treaty, March 26, 1979, in: Walter Laqueur/Barry Rubin (Eds.), The Israel-Arab Reader, New York 1995, S. 410.
12.
Vgl. Shimon Peres, Die Versöhnung, München 1993.
13.
Vgl. Misrad ha-Kalkalah we ha-Tichnun, Tochnit raw-schnatit la-mescheq ha-Jisraeli, 1995 - 2000, Jerusalem 1994, S. 118f.
14.
Vgl. den ehemaligen jordanischen Minister Jawad Anani, Peace and Economic Prospects, in: Olaf Köndgen (Ed.), Regional Economic Cooperation in the Mediterranean, Amman 1995, S. 79 - 82.