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2.5.2007 | Von:
Sabine Hofmann

Außenwirtschaftliche Kooperation im Vorderen Orient

Subregionale Kooperation bei regionalem Konflikt?

Erst eine umfassende politische Regelung des Nahostkonfliktes würde die Aufnahme von offiziellen Kontakten zwischen allen Staaten der Region ermöglichen. Bis dahin wird nichtabschließend zu klären sein, ob sich die"Normalisierung" positiv niederschlagen wird. Sind die arabischen Befürchtungen vor der Dominanz der israelischen Wirtschaft berechtigt? Führt die asymmetrische Interdependenz, die durch eine enge wirtschaftliche Kooperation zwischen Israel und den arabischen Staaten entstehen könnte, nur zu einer Transformation des Konfliktsystems und nicht zu dessen Regelung?

Neben Ansätzen für subregionale Projekte und konsolidierten bilateralen Beziehungen haben israelische Unternehmer das Potenzial der Region als Wirtschaftsraum bislang nicht ausgeschöpft. Nach Euphorie und Enttäuschung über nicht realisierte kurzfristige Gewinnerwartungen zogen sich viele Unternehmer aus dem Vorderen Orient wieder zurück und orientierten sich auf andere Regionen. Gegenseitige Ressentiments, strukturelle Hindernisse, der erneute Aufbau von politisch-religiösen Feinbildern und der Einfluss externer Interessengruppen auf die innerregionalen Verbindungen werden entscheidend dafür sein, ob die Ansätze für (sub-)regionaleKooperationen unter Einschluss Israels verringert oder weiter durchgesetzt werden. Volkswirtschaftlich betrachtet bietet die subregionale Kooperation in der Form von QIZ weiteres Wachstums- und auch Entwicklungspotenzial. Israel konzentriert sich auf seine Technologie- und Forschungszentren, die Peripherie auf Fertigungsbereiche. Andere Staaten der Region werden die Wirtschaftsbeziehungen Israels zu Ägypten und Jordanien, aber auch zu den palästinensischen Territorien genau beobachten, wenn es um Kooperation mit israelischen Unternehmen geht.

In der Region verläuft eine Kooperation der verschiedenen Geschwindigkeiten. Subregionen bilden Kerne, die jeweils spezifische Merkmale aufweisen und mehrheitlich auf die Industriestaaten - vorrangig auf den benachbarten europäischen Markt - ausgerichtet sind. Im Wechselverhältnis von Globalisierung und Regionalisierung und nicht zuletzt mit der geplanten interregionalen Freihandelszone ab 2010 werden sich die subregionalen Standorte der Großregion ausdifferenzieren; gesamtregionale Kooperationen und Institutionen wie die GAFTA müssen ihre Effektivität erst noch beweisen.

Welche Entwicklung sich durchsetzen wird, hängt von regionalen und globalen Faktoren ab. Im euro-mediterranen Verhältnis sichert sich Israel eine ökonomische und wissenschaftliche Sonderposition für dieEU. Israels Unternehmer wie auch der Staat sind heute stärker in der Region verankert als vor 1990. Die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt, die gegenseitigen Perzeptionen sind verändert. Ob es sich um den "new Middle East" oder um "the same old Middle East" handelt, ob er zum "broader Middle East" oder "greater Middle East" oder gar zum euro-mediterranen Raum wird, ist vom Standpunkt des Betrachters abhängig.

Regionale Wirtschaftsintegration stellt keine zwingende Voraussetzung für Entwicklung dar. Zwingend hingegen ist, dass die Volkswirtschaften des Vorderen Orients der globalen Konkurrenz eigene Potenziale gegenüberstellen müssen, wollen sie von transatlantischen Rivalitäten, von Indien, China und anderen aufstrebenden Regionen nicht erdrückt werden.