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5.4.2007 | Von:
Martin Löffelholz

Kriegsberichterstattung in der Mediengesellschaft

Relevanzgewinn der Kriegsberichterstattung

Dass Kommunikation und Information für sicherheits- und verteidigungspolitische Entscheidungen - gerade in Kriegen oder Krisen - bedeutsam sind, wussten römische Imperatoren, spartanische Feldherrn oder chinesische Könige bereits vor der Herausbildung eines periodischen Zeitungswesens im 17. Jahrhundert. Mit den aufstrebenden Zeitungen der absolutistischen europäischen Gesellschaften begannen die Medien jedoch schrittweise, eigenständige Akteure der sicherheitspolitischen Kommunikation zu werden. Schon die gewaltsamen Konflikte zwischen 1618 und 1648, vereinfachend häufig als "Dreißigjähriger Krieg" bezeichnet, lieferten Stoff für publikumswirksam präsentierte Nachrichten, die in Inhalt und Aufmachung freilich eher Abenteuergeschichten glichen.[4]

Die Relevanz dieser schriftstellernden Kriegsberichterstattung reduzierte sich im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden die Basisprinzipien des heutigen Informationsjournalismus sowie ein differenziertes journalistisches Berufsfeld, auch die Arbeitsrolle des "Kriegsberichterstatters". Als erster Protagonist der modernen Kriegsberichterstattung gilt William Howard Russell, der für die Londoner "Times" 1854 von der Krim über den Krieg berichtete, den Großbritannien und Frankreich gegen Russland führten. Russell ordnete seine Berichterstattung keineswegs den kriegspolitischen Interessen der Briten unter und geriet deshalb in Konflikt mit den Militärs, die ihm einen Maulkorb verpassten.[5] Das zeigte frühzeitig, wie hoch sicherheitspolitische Akteure die Relevanz von Kriegsberichterstattung einschätzen.

Mit allen folgenden gewaltsamen Konflikten - vom amerikanischen Bürgerkrieg (1861 - 1865) bis zum Krieg im Irak (seit 2003) - veränderte sich die Kriegsberichterstattung genauso gravierend wie der Journalismus generell. So haben Live-Berichterstattung, Satellitenkommunikation oder Online-Journalismus die Bedingungen und Formen der Kriegs- und Krisenberichterstattung nachhaltig verändert. Gleichwohl gibt es Konstanten der Berichterstattung über Kriege und Krisen, welche sich seit dem 19. Jahrhundert kaum gewandelt haben. Neben den ökonomischen Interessen von Medienunternehmen gelten vor allem die politischen Versuche zur Instrumentalisierung des Journalismus als maßgebliche Triebkräfte der Entwicklung.[6] Vor allem die medienbezogenen Aktivitäten der US-Regierung setzen aus Sicht der einen Maßstäbe für eine professionelle Krisenkommunikation, aus Sicht anderer bieten sie Anlass für heftige Kritik.

Fußnoten

4.
Vgl. Thomas Dominikowski, Massenmedien und Massenkrieg. Historische Annäherungen an eine unfriedliche Symbiose, in: Martin Löffelholz (Hrsg.), Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004, S. 59 - 80.
5.
Vgl. ebd., S. 64f.
6.
Vgl. Trevor A. Thrall, War in the Media Age, Cresskill 2000.