Schwarzblauer Ölkaefer

6.3.2020 | Von:
Anne-Sophie Friedel

Editorial

Der Befund glich einer Katastrophenbilanz, als der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen im Mai 2019 die bislang größte Studie zum globalen Zustand der Natur vorlegte: Drei Viertel der Land- und zwei Drittel der Meeresumwelt haben sich stark verändert, und rund eine Million von geschätzt etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht; der Artenschwund schreitet heute bis zu hundertmal schneller voran als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Ursache dieser dramatischen Entwicklungen sind Veränderungen in der Landnutzung, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, der Klimawandel, Umweltverschmutzung und die Ansiedlung invasiver Arten – kurz: Es ist die Menschheit, die ihre eigene Lebensgrundlage vernichtet.

Biodiversität ist die Voraussetzung dafür, dass die Natur dauerhaft jene Leistungen erbringen kann, auf die der Mensch angewiesen ist. Solche "Ökosystemleistungen" sind etwa die (Re-)Produktion von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energieträgern, die Regulierung des Wasserkreislaufs durch Bodenorganismen, die Speicherung von Kohlenstoff durch Wälder sowie die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten. Auch nichtmaterielle Vorteile wie das Bereitstellen von Erholungsräumen können dazugezählt werden.

Mit der Etablierung der Umweltpolitik ab den 1970er Jahren schaffte es der Kampf gegen den Biodiversitätsverlust auf die politische Tagesordnung. Die Ziele, die 1992 in der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen festgeschrieben wurden, bleiben jedoch bis heute unerreicht. 2020 laufen mit dem Strategischen Plan von Aichi und der UN-Dekade Biologische Vielfalt die jüngsten Initiativen für ihre Umsetzung aus, ein "Post-2020 Framework" soll im Herbst beschlossen werden. Gemangelt hat es bislang allerdings nicht an Problembewusstsein und Zielvereinbarungen, sondern an einem konsequenten Mitdenken des Natur- und Artenschutzes in allen Bereichen – im Zweifel auf Kosten gewohnter Lebensweisen.

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