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8.2.2007 | Von:
Christian Schmitt

Familiengründung und Erwerbstätigkeit im Lebenslauf

Ausblick

Paradoxerweise haben vor allem jene Wohlfahrtsstaaten vergleichsweise hohe Geburtenniveaus, die, anstatt eine Trennung zwischen Erwerbs- und Familienrolle zu fördern, die Akteure in ihren Lebensplanungen unterstützen - gleich, ob diese im Einzelfall Erwerbskarriere, Familie oder eine Kombination beider Bereiche präferieren. Dies zeigt sich insbesondere am Beispiel Schweden.[17] Dezidierte Ziele der Familienpolitik sind dort eine Geschlechtergleichstellung und die Unterstützung der Akteure in ihren Lebensplanungen, ohne darüber hinaus ein konkretes Familien- oder Rollenbild zu Grunde zu legen.

Einen Paradigmenwechsel in diese Richtung könnte die Einführung des Elterngeldes in Deutschland einleiten. Eine zentrale Grundlage dieses Modells, das die bisherige Förderung im Rahmen der Elternzeit ablöst, ist es, die Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen als Teil gesellschaftlicher Normalität zu betrachten. Dies zeigt sich zum einen in der Kopplung des Elterngeldes an ein vorheriges Erwerbseinkommen, was auch der häufigen Platzierung der Familiengründung im Anschluss an eine (erste) Erwerbstätigkeit Rechnung trägt. Zum anderen wird dies in der Erhöhung der mittleren Transfers (verglichen mit dem Erziehungsgeld) bei gleichzeitiger Verkürzung der Bezugsdauer deutlich. Die Anreizwirkung des Elterngeldes zielt damit klar auf Arbeitsmarktintegration, Familiengründung und rasche Reintegration. Zur effektiven Umsetzung dieser Maßnahme ist aber die Flankierung durch weitere Schritte, insbesondere durch einen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, von zentraler Bedeutung. Geschieht dies nicht, drohen sich die Vereinbarkeitskonflikte zwischen Beruf und Familie - durch die enge Kopplung des Elterngeldes an den Erwerbsprozess - eher noch zu verschärfen. Diese in Zukunft gar nicht erst entstehen zu lassen, macht einen geeigneten Maßnahmenmix erforderlich. Zentral sind hierbei eine auf Geschlechtergleichstellung ausgerichtete Politik und die Berücksichtigung der Bedeutung, die institutionelle Weichenstellungen auf weibliche und männliche Lebensverläufe ausüben.[18] Dies schließt eine kritische Betrachtung langer Ausbildungszeiten ebenso ein wie die Berücksichtigung der Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen als Bestandteil gesellschaftlicher Normalität.

Fußnoten

17.
Vgl. Jan M. Hoem, Why does Sweden have such high fertility?, in: Max Planck Institute for Demographic Research (MPIDR), Working Paper, Series 9 (2005).
18.
Vgl. Peter McDonald, Sustaining Fertility through Public Policy: The Range of Options, in: Population (English Edition, 2002), 57 (2002), S. 417 - 446.