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8.2.2007 | Von:
Peter Döge

Männer - auf dem Weg zu aktiver Vaterschaft?

Vater-Sein - (k)ein selbstverständlicher Bestandteil männlicher Biografien

Um diese Frage beantworten zu können, sollen im Folgenden auf der Basis aktueller Studien unterschiedliche Aspekte von Vaterschaft beleuchtet werden. Dabei steht zu Beginn die Frage, warum Männer überhaupt Väter werden - und warum nicht. Da das konkrete Verhalten von Vätern im Spannungsfeld von Beruf und Familie nicht unwesentlich von den jeweiligen individuellen Konzepten von Vaterschaft abhängt, müssen in einem zweiten Schritt auch diese und deren Bestimmungsfaktoren untersucht werden. Hiervon ausgehend wird abschließend der Frage nachgegangen, auf welche Weise aktive Vaterschaft unterstützt werden kann.

Mehr und mehr wird deutlich, dass Kinderlosigkeit nicht nur ein "Frauenproblem", sondern auch ein Männerproblem ist. Nach einer Auswertung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sind fast 34 Prozent der über zwanzigjährigen Männer kinderlos, sogar fast 46 Prozent der Männer, die Vollzeit beschäftigt sind, haben keine Kinder.[1] Von diesen wiederum sind insbesondere diejenigen kinderlos, die entweder über ein sehr hohes oder über ein sehr niedriges Einkommen verfügen. So haben beispielsweise 50 Prozent der erwerbslosen Männer keine Kinder. Aber sind es nur die ökonomischen Umstände, die Männer daran hindern, Väter zu werden?

Schenkt man einer Untersuchung das Instituts für Demoskopie Allensbach Glauben, dann liegt nur bei einem Drittel der Männer der Grund für die Kinderlosigkeit in den finanziellen und beruflichen Rahmenbedingungen sowie in den mangelnden Angeboten der Kinderbetreuung. Deren reale Bedeutung im Hinblick auf einen Kinderwunsch könnte jedoch größer sein: "Selbst wenn also die Rahmenbedingungen nur bei einem guten Drittel der Männer ohne Kinderwunsch als die entscheidenden Hindernisse gegen eine Elternschaft betrachtet werden müssen, darf darüber doch nicht ignoriert werden, dass diese Motive für einen weitaus höheren Anteil der Männer mit bedeutsam sind, wenn es um die Entscheidung für oder gegen ein Kind geht."[2]

Besonders wichtig für eine Entscheidung von Paaren für eigene Kinder ist, dass ein Einkommen - in der Regel das des Mannes - ausreichen soll, die Familie zu ernähren: "60 Prozent der 18- bis 44-Jährigen machen zur Bedingung, dass ein Einkommen für die Familie ausreicht, dagegen nur 25 Prozent gesicherte Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder."[3] Aus dieser Zielbestimmung resultiert ein enges Zeitfenster für Elternschaft im Allgemeinen und Vaterschaft im Besonderen, wobei dieses subjektiv empfundene Zeitfenster fünf bis acht Jahre umfasst. Folglich sind von denjenigen, welche mit Anfang 30 noch keine Kinder haben, nur noch 31 Prozent entschlossen, Kinder zu bekommen; von den 35-Jährigen und Älteren nur noch 17 Prozent.[4] Hinter diesem Zeitfenster verbergen sich zum einen das Problem der Vereinbarkeit von Ausbildung und Vaterschaft, zum anderen das nach wie vor die männliche Identität bestimmende klassische Familien-Ernährer-Modell: "Das male-breadwinner-Prinzip, das eine relativ strikte Rollentrennung einschließt, scheint also nach wie vor ein hohes Maß an Verbindlichkeit zu besitzen und Familiengründungen für die Väter vielfach bis zur beruflichen Etablierung zu verzögern."[5]

In der angeführten Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2005 nennen 60 Prozent der befragten Männer vor allem aber andere Gründe für die Kinderlosigkeit oder für eine Entscheidung gegen ein weiteres Kind.[6] So fürchten Männer anscheinend viel stärker als Frauen, dass sie sich mit einem Kind in ihren Interessen einschränken müssen (31 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen).[7] In einer Untersuchung des forsa-Instituts nennen Männer als Grund fürKinderlosigkeit auch häufiger als Frauen, als Vater über weniger Freizeit zu verfügen (14 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen).[8] Frauen wiederum geben als persönliche Gründe für Kinderlosigkeit häufiger als Männer an, nicht auf ihr Einkommen verzichten (21 zu 16 Prozent) und Kinder nicht fremd betreuen lassen zu wollen (18 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer).[9]

Kinder scheinen also nicht mehr selbstverständlicher Teil der Lebensplanung von Männern zu sein, denn nur für 59 Prozent der Männer, aber 71 Prozent der Frauen gehören Kinder zum Leben.[10] Nur gut die Hälfte der Männer, aber fast zwei Drittel der Frauen sind nach den Untersuchungsergebnissen des Allensbacher Instituts der Ansicht, man brauche eine Familie mit Kindern, um glücklich zu sein.[11] Demzufolge wollen auch Frauen generell eher Kinder als Männer (Frauen 52; Männer 34 Prozent).[12] Möglicherweise sind diese Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern in den Einschätzungen der Folgen von Kindern auf den Alltag ein Grund dafür, dass Männer häufiger als Frauen als Grund für Kinderlosigkeit angeben, nicht die richtige Partnerin zu finden: 32 Prozent der Männer nennen dies in der forsa-Studie, aber nur 20 Prozent der Frauen.[13] Ein ähnliches Ergebnis fördert die Allensbach-Untersuchung aus dem Jahr 2004 zu Tage: Jeder dritte der hier befragten Männer, aber nur jede fünfte Frau nennen als Grund gegen (weitere) Kinder die Einstellung des Partners bzw. der Partnerin.[14] Frauen, die bereits Mutter sind, führen häufiger als Männer Gründe gegen ein weiteres Kind an - vor allem berufliche Gründe (10 Prozent der Männer gegen 27 Prozent der Frauen).[15] Ist die Frau jedoch schwanger, verschwinden die geschlechtsspezifischen Differenzen, und beide Elternteile freuen sich gleichermaßen auf das Kind, wobei das Bild von der zukünftigen Ausgestaltung der Vaterrolle sehr stark von familialen und individuellen Gegebenheiten bestimmt wird.[16]

Fußnoten

1.
Vgl. Christian Schmitt, Kinderlose Männer in Deutschland - eine sozialstrukturelle Bestimmung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, DIW-Materialien, Heft 34, Berlin 2004.
2.
Institut für Demoskopie Allensbach, Einstellungen junger Männer zu Elternzeit, Elterngeld und Familienfreundlichkeit im Betrieb. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag des BMFSFJ, Allensbach 2005, S. 19.
3.
Dass., Einflussfaktoren auf die Geburtenrate. Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der 18- bis 44jährigen Bevölkerung, Allensbach 2004, S. 23.
4.
Vgl. ebd., S. 15f.
5.
C. Schmitt (Anm. 1), S. 15.
6.
Institut für Demoskopie Allensbach 2005 (Anm. 2), S. 17ff.
7.
Dass. (Anm. 3), S. 26.
8.
Vgl. Britta Pohl, Mehr Kinder. Mehr Leben. Ergebnisse der repräsentativen forsa-Befragung, Berlin 2004, S. 43.
9.
Vgl. ebd., S. 43.
10.
Vgl. ebd., S. 20.
11.
Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach (Anm. 3), S. 7.
12.
Vgl. ebd. (Anm. 3), S. 11.
13.
Vgl. B. Pohl (Anm. 8), S. 47.
14.
Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2004 (Anm. 3), S. 34.
15.
Vgl. ebd. (Anm. 3), S. 34.
16.
Vgl. Wassilios Fthenakis/Beate Minsel, Die Rolle des Vaters in der Familie, Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stuttgart 2002, S. 92ff.