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8.2.2007 | Von:
Peter Döge

Männer - auf dem Weg zu aktiver Vaterschaft?

Väterfreundlichkeit: Was wünschen sich Väter?

Vor dem Hintergrund dieser spezifischen Zeit- und Belastungsmuster von Vätern dürfte es nicht überraschen, dass diese mit der Aufteilung ihres täglichen Zeitbudgets unzufrieden sind. So schätzen nach den Ergebnissen der Zeitbudgetanalyse des Statistischen Bundesamtes 44 Prozent der Männer, die in einer Partnerschaft mit einem Kind leben, den Zeitaufwand für die Erwerbsarbeit als zu hoch ein, für 35 Prozent ist die Zeit, die sie der Haus- und Familienarbeit widmen können, zu gering.[34]

Väter wünschen sich vor allem eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit: Knapp 77Prozent der vom Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) befragten männlichen Arbeitnehmer mit Kindern oder anderen Pflegeaufgaben wünschen sich eine Arbeitszeitreduzierung, nur 19 Prozent der Männer geben an, ihre Arbeitszeit entspräche der gewünschten.[35] Im Hinblick auf die konkreten Arbeitszeitmodelle wünschen sich Väter vor allem eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit: 88 Prozent der vom Allensbach-Institut befragten Väter nennen dies als prioritäres Handlungsfeld zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.[36] Auch die vom WSI zu ihren Erwartungen an einen familienfreundlichen Betrieb befragten Männer mit Betreuungsaufgaben nennen "familienfreundliche Arbeitszeiten" an erster Stelle des Handlungsbedarfs.

Weiterhin fordern Väter häufiger als Mütter eine entsprechende finanzielle Unterstützung bei Betreuungsaufgaben. Auch fast 40 Prozent der von der EU-Kommission befragten Männer nennen eine ausreichende finanzielle Lohnersatzleistung als bedeutenden Faktor, der ihnen die Inanspruchnahme von Elternzeit-Angeboten erleichtern würde.[37] Der enge Zusammenhang zwischen der Höhe der finanziellen Kompensationsleistung und der Bereitschaft von Vätern, in Elternzeit zu gehen, zeigt sich deutlich in Schweden. Dort erhalten Eltern aus der Familienversicherung für die ersten zwölf Monate nach der Geburt ihres Kinder 80 Prozent des letzten Einkommens - den vollen Satz erhalten sie aber nur für den Fall, dass zwei Monate der Elternzeit vom Vater in Anspruch genommen werden.[38] Als zu Beginn der 1990er Jahre die Lohnersatzquote für die Elternzeit auf 75 Prozent gesenkt wurde, nahm der Anteil der Männer, welche die so genannten "Papa-Monate" in Anspruch nahmen, ebenfalls rapide ab.[39]

Durchschnittlich nehmen 30 Prozent der schwedischen Väter die angebotenen Papa-Monate in Anspruch. Ein in etwa gleich hoher Anteil von Vätern in der Bundesrepublik Deutschland könnte sich unter den ab Januar 2007 geltenden Elternzeit-Regelungen vorstellen, ihre Erwerbsarbeit für ein Jahr zu unterbrechen, 14 Prozent für einige Monate. Allerdings sehen 43 Prozent der befragten Väter auch in diesen neuen Bedingungen keinen Anreiz für eine Unterbrechung ihrer Erwerbsarbeit.[40] Hinter diesen Zahlen dürfte sich meines Erachtens die oben beschriebene Organisationskultur widerspiegeln, deren Veränderung mit Sicherheit einen wichtigen Bestandteil der Herstellung von Väterfreundlichkeit darstellen muss.[41] Und so sehen auch 23 Prozent der Väter in der Befragung des Eurobarometers einen wichtigen unterstützenden Faktor in einer positiven Einstellung von Vorgesetzten und Kollegen gegenüber Vätern in Elternzeit. Interessanterweise ist dieser Wert in Schweden mit am höchsten.[42]

Fußnoten

34.
Vgl. Statistisches Bundesamt, Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02, Wiesbaden 2003, S. 19f.
35.
Vgl. BMFSFJ, "Erwartungen an einen familienfreundlichen Betrieb", Berlin 2004, S. 15ff.
36.
Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach (Anm. 2), S. 15ff.
37.
Vgl. European Commission (Anm. 31), S. 18.
38.
Vgl. Peter Döge, Wege zu einer aktiven Vaterschaft in ausgewählten Ländern, in: Andreas Borter (Hrsg.), Handbuch VäterArbeit. Grundlagen und Impulse für Väter und Verantwortliche in Betrieben und Organisationen, Zürich 2004, Abschnitt 2, S. 19 - 23.
39.
Vgl. ebd., S. 22.
40.
Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach (Anm. 2), S. 11ff.
41.
Vgl. Richard Reeves, Dad's Army. The case for father-friendly workplaces, London/Birmingham 2002, S. 29f.
42.
Vgl. European Commission (Anm. 31), S. 18f.