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8.2.2007 | Von:
Peter Döge

Männer - auf dem Weg zu aktiver Vaterschaft?

Väterfreundlichkeit als Managing Diversity

Männer wünschen sich nicht zuletzt aber auch mehr Anerkennung ihres spezifischen Beitrags zur Kinderbetreuung durch ihre Partnerinnen. So berichten Väter in einer schwedischen Familienkommission, die Mitte der 1990er Jahre zum Thema Vaterschaft eingesetzt wurde, übereinstimmend von Vorurteilen seitens der Mütter im Hinblick auf die Fürsorgekompetenzen der Väter sowie von versteckten Diskriminierungen durch die Mütter.[43] Die Mütter nehmen ihren Stil der Fürsorge und Betreuung zum Maßstab, was zu einem Rückzug des Mannes aus der Kinderbetreuung führt.[44] Ganz in diesem Sinne sagen 44 Prozent der von Allensbach befragten Männer, sie gingen nicht in Elternzeit, weil die Mütter die Kinderbetreuung selbst übernehmen wollten. Eine weitere Überprüfung der Validität dieser Aussage ist nicht möglich, denn es existieren zu diesem Themenbereich noch kaum differenzierte Untersuchungen: Der Grund dafür, dass Mütter in der Regel in Elternzeit gehen, ist bisher nicht so intensiv analysiert worden wie die Ursachen dafür, dass Männer Elternzeit nicht in Anspruch nehmen.[45] Dieses Forschungsdefizit ist wohl ebenfalls eine Folge einer in der Geschlechterforschung unterentwickelten systemischen Perspektive auf das familiale System.

Wie oben ausgeführt, werden die jeweils konkreten Modelle von Vaterschaft in einem Dreieck von Familie, Arbeitsbedingungen und persönlichen Ressourcen realisiert. Kein Vaterschaftskonzept gleicht von daher dem anderen, es ergibt sich vielmehr eine Vielzahl unterschiedlicher Vaterschaftsmodelle. Betriebliche und überbetriebliche Väterarbeit sollte von daher am jeweils konkreten Vater-Sein ansetzen sich nicht an Idealbildern von Vaterschaft orientieren.[46] Sehr gute Erfahrungen wurden bisher mit der Durchführung von Workshops mit Vätern und werdenden Vätern gemacht. Diese Workshops hatten zur Folge, dass sich die familienorientierten Männer dauerhaft vernetzen und gegenseitig unterstützen können. Von Bedeutung wäre weiterhin eine stärkere Sensibilisierung der Personalvertretungen für die Vereinbarkeitsproblematik der Männer.[47] Insgesamt geht es also "... nicht darum ..., auf andere Weise Vater zu sein, nur um eine neue Auffassung zu präsentieren. Vielmehr geht es darum, es den Vätern zu ermöglichen, ein ,Mehr` beizutragen, und den Familien, "besser" zu leben und am Ende dem Fortschritt etwas näher zu kommen."[48]

Fußnoten

43.
Vgl. Helena Bergmann/Barbara Hobson, Compulsory fatherhood: the coding of fatherhood in the Swedish welfare state, in: Barbara Hobson (Hrsg.), Making Men into Fathers. Men, Masculinities and the Social Politics of Fatherhood, Cambridge 2002, S. 92 - 124.
44.
Vgl. Procter & Gamble, Väter, Windeln und wie weiter? Procter & Gamble-Väter-Studie 2001, Wien 2001, S. 11ff.
45.
Vgl. Ulla Björnberg, Ideology and choice between work and care in Swedish family policy for working parents, in: Critical Social Policy, 22 (2002) 1, S. 33 - 52.
46.
Ein in diesem Sinne sehr positiv zu wertendes und dementsprechend mit dem Förderpreis Gender des Männernetzwerks Hessen im Jahr 2004 ausgezeichnetes Projekt ist das von der Männerarbeit der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck entwickelte Angebot für Väter in Kindertagestätten. Die grundlegende Philosophie des Projekts besteht darin, dass Perspektiven für die Väter und für die Väterarbeit in den Kindertagestätten von den Vätern selbst entwickelt werden. Das Projekt geht bewusst auf die Väter zu und setzt an deren konkreter Lebenssituation an.
47.
Vgl. Peter Döge/Cornelia Behnke, Betriebs- und Personalräte als Akteure familienbewusster Personalpolitik. Handlungsmuster von Personalvertretungen in Unternehmen und Organisationen mit dem audit berufundfamilie. Endbericht, Berlin 2006 (http://www. beruf-und-familie.de/files/dldata//92fef3144477a3273 71c55fa36e d0abf/ iaiz_brpr.pdf).
48.
Jean LeCamus, Väter. Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung, Weinheim 2003, S. 174.