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26.6.2008 | Von:
Klaus Hurrelmann
Wolfgang Settertobulte

Alkohol im Spannungsfeld von kultureller Prägung und Problemverhalten

Die Jugend ist ein Spiegelbild der Elterngeneration

In einer kritischen Reflexion dieses Sachverhaltes stellt sich uns der derzeit wieder einmal öffentlich stark problematisierte Alkoholkonsum Jugendlicher als ein Spiegelbild des allgemeinen gesellschaftlichen Umgangs mit dieser Alltagsdroge dar.

Das Jugendalter ist durch den Übergang vom Kind zum Erwachsenen gekennzeichnet. In diesem Prozess muss sich das Individuum mit den gesellschaftlichen Konventionen auseinandersetzen, diese erproben, reflektieren und ein eigenes Verhältnis dazu entwickeln. Das Durchschnittsalter, in dem junge Menschen heute ihre ersten Erfahrungen mit Alkoholrausch machen, liegt etwa am Ende des 14. Lebensjahres.[3] Dieses Alter scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt für erste Alkoholerfahrungen allgemein akzeptiert zu sein, unabhängig von jugendschutzrechtlichen Bestimmungen. Seinen kulturell geprägten Ausdruck findet dies etwa durch die elterliche Initiation des vermeintlich ersten Alkoholgenusses im Rahmen der Konfirmation.

Tatsächlich liegt das entscheidende Alter für die Ausprägung einer individuellen Alkoholaffinität jedoch in der Kindheit. Bereits Kinder erlernen am Beispiel ihrer Eltern die soziale und kulturelle Bedeutung sowie die vermeintlich positiven Auswirkungen des Alkohols kennen. Schon im Kindergarten lassen sich gelegentlich kindliche Rollenspiele beobachten, in denen der entsprechende Habitus der Erwachsenen in Form des Zuprostens nachgeahmt wird und manchmal sogar Symptome der Trunkenheit imitiert werden. Während der Pubertät gilt es dann, echtes Erwachsenenverhalten zu erproben. Das Erlernen des Umgangs mit dem Alkohol gehört also zwangsläufig zu den Entwicklungsaufgaben, die Jugendliche beim Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter zu bewältigen haben. Das Entwicklungsziel besteht dabei im Einüben eines mäßigen, verantwortungsbewussten Konsumverhaltens. Schließlich ist der Umgang mit Risiken ein Teil der zu erwerbenden Lebenskompetenz. In diesem Sinne ist auch der (vernünftige) Umgang mit Alkohol eine grundlegende Fertigkeit zur Teilhabe an der Kultur.

Fußnoten

3.
Vgl. Wolfgang Settertobulte/Matthias Richter, Aktuelle Entwicklungen im Substanzkonsum Jugendlicher: Ergebnisse der "Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)" Studie 2005/2006, in: Karl Mann/Ursula Havemann-Reinecke/Raphael Gassmann (Hrsg.), Jugendliche und Suchtmittelkonsum, Freiburg i. Br. 2007, S. 7 - 27.