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26.5.2008 | Von:
Lisbeth Lundahl

Zeitpolitik im schwedischen Bildungswesen

Seit den 1920er Jahren sind der Ganztagsunterricht an den allgemeinen Schulen und die Zeitpolitik des Bildungswesens in Schweden kaum mehr in Frage gestellt worden.

Einleitung

Ausgehend von Gösta Esping-Andersens Theorie des Wohlfahrtssystems ist Bildungspolitik als Aspekt der Sozialpolitik zu betrachten.[1] Die skandinavischen Länder werden oft als hervorragendes Beispiel für sozialdemokratische Wohlfahrtsstaaten genannt, die sich durch Vielseitigkeit, wirtschaftliche Transfers auf höchster Ebene sowie soziale Sicherheit auszeichnen. Dieses Gesellschaftsmodell setzt Vollbeschäftigung und ein hohes Maß an innergesellschaftlicher Solidarität voraus. Im Gegensatz dazu stehen liberale wohlfahrtsstaatliche Regierungsformen, etwa die USA und Großbritannien, mit Eigenverantwortung und Marktlösungen als Grundpfeiler. Konservative Sozialstaaten schließlich, etwa Frankreich, Österreich oder Deutschland, akzeptieren die Existenz eines traditionell gewachsenen, starken Staates, bewahren aber Unterschiede in der gesellschaftlichen Stellung des Individuums. Familie und Kirche sind in diesem System zentrale Institutionen; der Staat greift erst dann ein, wenn die Familie nicht (mehr) in der Lage ist, für ihre Mitglieder zu sorgen.






Folgende Faktoren können den Zeitrahmen der Bildungspolitik beeinflussen: In einem sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat ist der Staat relativ stark, sozialdemokratische Parteien sind einflussreich, und Bildung hat einen hohen Stellenwert und zahlreiche Funktionen; nach Möglichkeit werden beachtliche Summen in alle Bereiche des Bildungswesens investiert. Der Bedarf an Kindern und Frauen als Arbeitskräfte sowie die Macht von Arbeitsmarktverbänden werden als weitere entscheidende Faktoren erachtet. In skandinavischen Ländern müssen die Sichtweise der gut organisierten und mächtigen Sozialpartner in Bezug auf Bildung, die Berufstätigkeit von Frauen sowie die Kinderbetreuung berücksichtigt werden.[2]

Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Englischen: Jaiken Struck, South Petherton, England/UK.

Vgl. Gösta Esping-Andersen, The Three Worlds of Welfare Capitalism, Cambridge 1996.
2.
Vgl. Anne-Lise Arnesen/Lisbeth Lundahl, Still Social and Democratic?, in: Scandinavian Journal of Educational Research, 50 (2006) 3, S. 285 - 300.