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26.5.2008 | Von:
Ludwig Stecher
Falk Radisch
Natalie Fischer

Ganztägige Bildungssettings im Vor- und Grundschulalter

Resümee

Außerfamiliale Betreuungsangebote bilden eine wichtige Unterstützung für Familien mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Wie ist die quantitative Verfügbarkeit (bzw. Inanspruchnahme) derartiger Betreuungsangebote? Welche pädagogischen Bildungs- und Entwicklungswirkungen werden erzielt?

Es zeigt sich, dass sich die außerfamiliale Betreuungssituation für Familien mit Kindern im Vorschul- bzw. Grundschulalter zahlenmäßig insgesamt verbessert hat. Vor allem im Bereich der Ganztagsgrundschulen ist eine erhebliche Zunahme von Angeboten zu verzeichnen. Im Alter ab vier Jahren steht für fast alle Kinder ein Kindergartenplatz zur Verfügung. In den ostdeutschen Bundesländern sind auch für eine Vielzahl von Kindern unter drei Jahren entsprechende Angebote verfügbar. Hier und mit Blick auf ganztägig organisierte Betreuungsangebote - Kindergarten und Ganztagsgrundschule - besteht in den westdeutschen (Flächen-)Ländern Ausbaubedarf.

Hinsichtlich der bildungsbezogenen Wirksamkeit der verschiedenen institutionellen Betreuungsangebote liegen - zumindest im Bereich des Kindergartens - Befunde vor, die die grundsätzlich fördernde Wirkung dieser Angebote belegen. Es zeigt sich, dass sich bei Kindern, die einen in pädagogischer Hinsicht hochwertigen Kindergarten besuchen, nicht nur während der Kindergartenzeit sprachliche und soziale Kompetenzen besser entwickeln, sondern dieser Vorsprung auch im Übergang in die Grundschule und während der ersten Grundschuljahre erhalten bleibt. Die Bildungseffekte der Ganztagsgrundschule lassen sich auf der Basis der verfügbaren Daten nicht eindeutig beantworten. Im Mittelpunkt der hier vorgestellten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) stehen allerdings weniger die schulische Leistungsentwicklung als andere Bereiche der kindlichen Entwicklung wie zum Beispiel die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Erste Befunde hierzu stimmen hoffnungsvoll. Es zeigt sich, dass Grundschülerinnen und -schüler, die Ganztagsangebote besuchen, in stärkerem Maße von Verhaltensweisen berichten, die sich auf eine prosoziale Übernahme von Verantwortung beziehen. Offensichtlich bieten die außerunterrichtlichen Angebote ein spezifisches Potenzial zur Ausbildung sozialer Kompetenzen.