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28.2.2008 | Von:
Andreas Elter

Auswärtige Kulturpolitik und Propaganda in den USA

Die USIA und der Kalte Krieg

1948 wurde das Public Law 402, der Smith-Mundt-Act, vom Kongress verabschiedet. Senator Alexander Smith und der Abgeordnete Karl Mundt setzten sich dafür ein, dass die USA einen offensiven Auslandsinformationsdienst betreiben sollten, eine "erste gesetzliche Regelung zur Public Diplomacy".[21]

Aufgrund innenpolitischer Spannungen und Widerstände dauerte es noch fünf Jahre, bis eine neue zentrale Einrichtung der Auslandswerbung auf den Weg gebracht wurde. Dem waren mehrere Schritte vorausgegangen. Bereits im Jahr 1946 wurde im Außenministerium das Office of International Information and Cultural Affairs (OIC) eingerichtet. Der Name der Behörde verweist darauf, dass Kultur- und Informationspolitik nicht mehr als zwei verschiedene Bereiche galten - sie wurden inhaltlich und organisatorisch miteinander verknüpft. Fünf verschiedene Abteilungen waren für die Auslandsinformation zuständig. Sie kümmerten sich um die Aufgabengebiete Presse und Publikationen, Rundfunk, Film, Personenaustausch und auswärtige Kulturprogramme, Kunst sowie Bibliotheken und Institute. Diese Betätigungsfelder sind bis heute die Kerngebiete der Auswärtigen Kulturpolitik geblieben.

Am 1. Juni 1953 rief Präsident Dwight D. Eisenhower die United States Information Agency (USIA) ins Leben. Bei der Gründung der USIA spielten Überlegungen und Bedenken eine Rolle, die schon Davis in Bezug auf die Gründung des OWI gehegt hatte. Eine den Präsidenten beratende Studiengruppe der Woodrow Wilson Foundation hatte die Notwendigkeit einer solchen zentralen Organisation wie folgt begründet: "Wir legen ebenfalls Nachdruck darauf, dass kein moderner Staat ohne bessere Zentralisierung seiner Informationsdienste wirksam funktionieren kann. Trotz aller natürlichen Scheu in einer Demokratie vor einer solchen Behörde würde ein ständiges Informationsbüro, ähnlich dem Office of War Information während des Krieges, von Nutzen sein - nicht um Informationen herzustellen, sondern einfach, um sie zu koordinieren. Die heutigen unkoordinierten Informations- und Propagandamethoden tragen ernsthaft zur allgemeinen Verwirrung bei."[22]

Obwohl die USIA und Auslandssender wie die Voice of America nicht mit den Propagandaapparaten der Kriegszeit gleichzusetzen sind, ist ihre Gründung nicht ohne die Erfahrungen der beiden Weltkriege und des Kalten Krieges zu erklären. So verwundert es kaum, dass die Arbeitsweisen und Aufgabenstellungen des USIA auffallende Parallelen zu denen des OWI zeigen. Ein Beispiel dafür sind die Propagandaaktionen der USIA während der Kuba-Krise 1962: "Die USIA hat sofort mehr als 50 000 Kopien von Fotos und Negativen an 225 befreundete Stellen auf dem ganzen Globus verbreitet, um für die Weltöffentlichkeit die Vorgänge bildlich zu dokumentieren und um die amerikanische Haltung zur Kubakrise darzustellen. Die Kopien wurden mit Luftexpress umgehend an lokale Regierungen auf der ganzen Welt gesandt und Verlegern und Herausgebern von Zeitungen zur Verfügung gestellt. Sie dienen dazu, eindeutig zu belegen, dass die Sowjetunion auf Kuba geheime Raketenstationen aufbaut."[23]

Bemerkenswert ist, dass sowohl Befürworter als auch Gegner der USIA mit denselben Argumenten operierten wie schon die Befürworter und Gegner des OWI. Das Fundament des neuen nationalen Konsenses, der durch die USIA ins Ausland transportiert wurde, war ein politischer und ideologischer Antikommunismus. Dabei spielte die CIA eine bedeutende Rolle: "Während der Hochphase des Kalten Krieges investierte die US-Regierung enorme Summen in ein geheimes Programm, das der kulturellen Propaganda in Westeuropa diente. Ein zentrales Element dieses Programms bestand darin, die Beteuerung der Regierung, kein derartiges Programm zu unterhalten, nach außen hin glaubhaft zu machen. Gesteuert wurde es unter strengster Geheimhaltung von Amerikas Spionagemacht, der CIA."[24]

Fußnoten

21.
Udo M. Metzinger, Hegemonie und Kultur, Frankfurt/M. 2005, S. 80.
22.
Study Group of the Woodrow Wilson Foundation, zit. in: William Weissman, Kultur- und Informationsaktivitäten der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Pfaffenweiler 1990, S. 39.
23.
50 000 USIA Prints Expose Cuban Buildup, in: U.S. Information Agency Press Bulletin Nr. 56 vom 30.10. 1962.
24.
F. S. Saunders (Anm. 9), S. 13.