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27.11.2009 | Von:
Isabelle Kürschner

Frauen in den Parteien

Welche Mechanismen wirken sich auf die Mitarbeit von Frauen in den politischen Parteien aus? Warum gelingt den Parteien in so unterschiedlichem Maße, Frauen als Mitglieder zu gewinnen?

Einleitung

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gehören in Deutschland 1,6 Millionen Bürger einer Partei an.[1] Das sind knapp 2,7 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung. Geht man davon aus, dass insgesamt knapp 30 Prozent der Parteimitglieder weiblich sind, entspricht das rund 530 000 Frauen in Deutschland bzw. 1,6 Prozent der weiblichen Wahlberechtigten. Einer ALLBUS-Umfrage zufolge geben fast doppelt so viele Männer wie Frauen an, schon einmal in einer Partei mitgearbeitet zu haben (15 Prozent bzw. 8 Prozent).[2]




Obwohl eine umfassende Untersuchung dieses Phänomens in der Partizipationsforschung bisher fehlt, wird davon ausgegangen, dass parteiübergreifend vor allem die männlich geprägten Organisationsstrukturen sowie die Formen der parteipolitischen Arbeit Frauen vom Engagement abhalten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es den Parteien in sehr unterschiedlichem Maße gelingt, weibliche Mitglieder zu gewinnen. Dies wiederum zeigt, dass die Zurückhaltung von Frauen, in Parteien einzutreten, vielfältige Ursachen hat und dass die Angebote der Parteien zur Mitarbeit und Identifikation für Frauen unterschiedlich attraktiv sind.

Die Frage, warum Frauen in eine Partei eintreten und auf welche Art und Weise sie mitarbeiten, ist bislang kaum erforscht worden. Nach wie vor "wartet die Parteienforschung auf eine große empirische Untersuchung über Frauen in Parteien."[3] Diese Forschungslücke zumindest ein Stück weit zu schließen, war das Ziel meiner Arbeit "Den Männern überlassen wir's nicht! Erfolgreiche Frauen in der CSU".[4] Die Ergebnisse beleuchten sowohl das Partizipationsverhalten weiblicher Parteimitglieder als auch die innerparteilichen Mechanismen, die sich auf die Mitarbeit von Frauen auswirken. Im Folgenden soll die Situation von Frauen in mehreren Parteien dargestellt werden.

Fußnoten

1.
Bisher bieten die statistischen Daten keinerlei Differenzierung zwischen männlichen und weiblichen Parteimitgliedern in Deutschland.
2.
Vgl. Waltraud Cornelißen (Hrsg.), Gender Datenreport. 1. Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland, 2. Fassung, München 2005.
3.
Oskar Niedermayer/Richard Stöss (Hrsg.), Stand und Perspektiven der Parteienforschung in Deutschland, Opladen 1993, S. 18.
4.
Vgl. Isabelle Kürschner, Den Männern überlassen wir's nicht! Erfolgreiche Frauen in der CSU, Baden-Baden 2009.

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