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27.11.2009 | Von:
Uta Kletzing

Engagiert vor Ort: Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen

In den Kommunalparlamenten liegt der Frauenanteil durchschnittlich bei nur 25 Prozent. Damit er sich erhöht, müssen die Ortsvereine und Kreisverbände der Parteien das Engagement von Frauen entschlossen fördern.

Einleitung

Mit einer Bundeskanzlerin an der Spitze der Regierung und zahlreichen Frauen in herausragenden Positionen sind Frauen in der Politik selbstverständlicher geworden. 90 Jahre nachdem Frauen das aktive und passive Wahlrecht errungen haben, und 60 Jahre nach Verankerung des Gleichstellungsartikels im Grundgesetz ist somit viel erreicht.






Doch gerät mit diesen öffentlich sichtbaren und erfolgreichen Frauen bisweilen aus dem Blickfeld, dass im politischen Alltag nach wie vor Vieles zu tun bleibt - gerade im kommunalpolitischen Alltag. Nach den Aufbruchszeiten der 1980er und frühen 1990er Jahre, wo mit Einführung der Quotenregelungen erstmals die Zehnprozenthürde in den Parlamenten überschritten wurde, stagniert der Frauenanteil in Bund und Ländern seit über einem Jahrzehnt auf einem Niveau von etwa 30 Prozent.[1] In den Kommunalparlamenten liegt der Frauenanteil durchschnittlich sogar bei lediglich 25 Prozent.[2] "Durchschnittlich" heißt auch, dass es immer noch Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte gibt, in denen keine einzige Frau vertreten ist. Der Blick auf die kommunalen Spitzenpositionen zeigt zudem, dass nur vier Prozent der hauptamtlichen (Ober-)Bürgermeister[3] und weniger als zehn Prozent der Landräte[4] Frauen sind.

Was muss passieren, damit sich diese Anteile erhöhen? Um Antworten auf diese Frage zu finden, hat die EAF - Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) etwa 1100 ehrenamtliche und hauptamtliche Kommunalpolitikerinnen aus über 500 repräsentativ ausgewählten Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern befragt.[5] Den Schwerpunkt bildete die Fragebogen-Untersuchung von 1036 ehrenamtlichen Stadt- und Gemeinderätinnen; zur Ergänzung und Vertiefung wurden zudem Intensivinterviews mit 24 ehren- und hauptamtlichen Kommunalpolitikerinnen geführt.[6]

Mit der Studie "Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen" liegt die bisher umfangreichste Untersuchung über kommunalpolitisch aktive Frauen sowie die förderlichen und hinderlichen Faktoren für ihren Einstieg und Aufstieg vor. Wer sind sie, welche Motive haben sie, wer und was hat sie auf ihrem Weg in die Kommunalpolitik unterstützt? Welche Erfahrungen haben sie gesammelt und wo sehen sie Handlungsbedarf?

Fußnoten

1.
Vgl. Beate Hoecker, 50 Jahre Frauen in der Politik - Späte Erfolge, aber nicht am Ziel, in: APuZ, (2008) 24 - 25, S. 10 - 18.
2.
Der Durchschnittswert von 25 Prozent ist das Ergebnis eigener Berechnungen, die auf einer Erhebung des Deutschen Städtetages basieren: Deutscher Städtetag, Ratsmitglieder der Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern, in: Statistisches Jahrbuch Deutscher Gemeinden, 93 (2006), S. 102 - 136.
3.
Vgl. Bertelsmann Stiftung/Deutscher Städtetag/Deutscher Städte- und Gemeindebund (Hrsg.), Beruf Bürgermeister/in - Eine Bestandsaufnahme für Deutschland, Gütersloh 2008, online: www.bertels mann-stiftung.de/cps/
rde/xbcr/SID-08FC6F7B-C8A
EB645/bst/xcms_bst_dms_23926_
23927_2.pdf (31. 7. 2009).
4.
Im Rahmen der Studie wurden alle amtierenden Landrätinnen recherchiert (Stand: August 2008).
5.
Vgl. Uta Kletzing/Helga Lukoschat, Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen, Baden-Baden 2009 (i.E.); im vorliegenden Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse dargestellt.
6.
Bei der Auswahl der Befragten für die quantitative und qualitative Untersuchung wurden die regionale Verteilung, die Größe der Gemeinden sowie die Parteizugehörigkeit der Kommunalpolitikerinnen nach Quoten berücksichtigt.

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