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27.11.2009 | Von:
Uta Kletzing

Engagiert vor Ort: Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen

Soziodemographische und zeitliche Ressourcen

Ehrenamtliche Kommunalpolitikerinnen sind Frauen mit hoher Lebens- und Berufserfahrung. Sie sind zu 89 Prozent über 40 Jahre alt und überdurchschnittlich hoch gebildet. Fast jede zweite Kommunalpolitikerin ist Akademikerin. Familiäre Aufgaben und Berufstätigkeit mit dem politischen Ehrenamt zu vereinbaren, ist gegenwärtig vorwiegend nur im zeitlichen Nacheinander möglich. Die Hälfte der Befragten verbringt mindestens zehn und teilweise sogar mehr als 20 Stunden wöchentlich mit Kommunalpolitik; die andere Hälfte weniger als zehn Stunden pro Woche. Die zeitlichen Spielräume für das ehrenamtliche Engagement werden wesentlich von den Fürsorgeverpflichtungen für Kinder oder andere Familienangehörige einerseits und von der Erwerbssituation andererseits bestimmt.

71 Prozent der befragten Stadt- und Gemeinderätinnen sind Mütter, allerdings sind die Kinder mehrheitlich "aus dem Gröbsten raus." Nur etwa ein Drittel hat Kinder unter 16 Jahren im Haushalt, und nur ein sehr geringer Prozentsatz von sieben Prozent hat Kinder bis zu fünf Jahren zu versorgen. 64 Prozent der befragten Stadt- und Gemeinderätinnen sind erwerbstätig, davon die eine Hälfte in Vollzeit und die andere in Teilzeit. Der größte Teil der Nicht-Erwerbstätigen sind Ruheständlerinnen. Neben dem Mandat in Vollzeit erwerbstätig zu sein, gelingt in der Regel nur, wenn das Arbeitsmodell zumindest anteilig flexibel gehandhabt werden kann oder Unterstützung durch den Arbeitgeber vorhanden ist. Ein Viertel der ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen - und damit die größte Gruppe - hat weder Kinder im Haushalt noch eine Erwerbstätigkeit. Immerhin 15 Prozent der Ratsfrauen haben jedoch beides: Kinder im Haushalt und eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Unterstützung des Lebenspartners. 82 Prozent der Stadt- und Gemeinderätinnen leben in einer festen Partnerschaft. 80 Prozent der ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen fühlen sich von ihrem Partner bzw. Partnerinnen sehr gut unterstützt. Das Mindestmaß der Unterstützung besteht darin, dass die Kommunalpolitikerinnen seitens ihrer Partner bzw. Partnerinnen nicht vom kommunalpolitischen Engagement abgehalten werden - der Partner sie also "gewähren" lässt und Verständnis zeigt. Aktiv unterstützende Partner beteiligen sich darüber hinaus in einem vergleichsweise hohen Maße an Familien- und Hausarbeit oder stellen sich als Zuhörer und Feedback-Geber zur Verfügung. Die Partnerschaftsmodelle sind also "klassisch" und partnerschaftlich zugleich dahingehend, dass die Partner überwiegend einer Vollzeittätigkeit nachgehen, jedoch gleichzeitig ihren Beitrag zum kommunalpolitischen Engagement der Partnerinnen leisten.


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