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27.11.2009 | Von:
Uta Kletzing

Engagiert vor Ort: Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen

Motivation und Motivatoren

Die zivilgesellschaftlich engagierten Frauen von heute sind die Kommunalpolitikerinnen von morgen. In der Regel haben sich die Kommunalpolitikerinnen seit Kindheit und Jugend "über den eigenen Tellerrand hinaus" für etwas engagiert. Der Wunsch, sich für allgemeine Interessen einzusetzen, drückt sich im Laufe des Lebens in verschiedenen Formen des Engagements aus: 86 Prozent der Befragten waren unmittelbar vor der Übernahme des kommunalpolitischen Mandates ehrenamtlich in bürgerschaftlichen Zusammenhängen, Parteien oder kommunalpolitischen Gremien tätig.

Zivilgesellschaftliches Engagement und kommunalpolitisches Mandat sind aus Sicht der befragten Ratsfrauen eng miteinander verwoben: Kommunale Vereine, Verbände oder Initiativen verfolgen aus ihrer Sicht ähnliche Themen wie der Stadt- und Gemeinderat bzw. der Kreistag, jedoch auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlicher politischer Schlagkraft. Mit dem Schritt ins kommunalpolitische Mandat verband sich für die befragten Frauen der Wunsch, das Engagement "für die Sache" mit mehr Informationen, Kontakten und Entscheidungsbefugnissen zu verbinden und so effektiver zu machen. Die im zivilgesellschaftlichen Engagement begonnene Einflussnahme auf "die Welt im Kleinen", nämlich das unmittelbare Lebensumfeld, setzt sich somit in der Kommunalpolitik fort.

Die Idee, in die Kommunalpolitik zu gehen, kam jedoch den wenigsten ganz allein. Immerhin 30 Prozent sind in die Kommunalpolitik "einfach so hineingerutscht". Die Studie zeigt sehr eindrücklich, wie viel die Ansprache von außen bewegen kann und wie notwendig diese ist, um das vorhandene Potenzial engagierter Frauen in Richtung Kommunalpolitik zu mobilisieren. Die Parteien müssen auf die potenziellen Mandatsträgerinnen zugehen und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten. 62 Prozent der Stadt- und Gemeinderätinnen bekamen den entscheidenden Anstoß von außen: davon 65 Prozent von Personen mit politischem Bezug (Partei, Ratsmitglieder etc.), 25 Prozent von Personen aus dem Umfeld (Freunde, Kollegen etc.) und zehn Prozent aus der eigenen Familie.


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