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27.11.2009 | Von:
Uta Kletzing

Engagiert vor Ort: Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen

Kommunalpolitischer Alltag

Die Erfahrungen, die die Kommunalpolitikerinnen machen, decken sich erfreulicherweise mit ihren ursprünglichen Beweggründen für die Kommunalpolitik. Der Wunsch, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, wird in 87 Prozent der Fälle befriedigt. Aber die Befragten wollen mit ihrer Tätigkeit nicht nur etwas für andere, sondern auch etwas für sich selbst tun. 56 Prozent wollen sich persönlich weiterentwickeln und 37 Prozent suchen eine neue Herausforderung. Immerhin ein Drittel der Stadt- und Gemeinderätinnen äußert, mit dem kommunalpolitischen Engagement auch tatsächlich etwas für die eigene Weiterentwicklung tun zu können: Kommunalpolitik sei ein interessantes Lernfeld und gebe dem Selbstbewusstsein einen Schub.

Sind Frauen erst einmal in der Kommunalpolitik engagiert, wollen sie auch dabei bleiben. Ihr kommunales Mandat üben sie in der Regel über mehrere Legislaturperioden aus. 76 Prozent der Befragten wollen bei der nächsten Kommunalwahl wieder kandidieren. Dennoch werden die politische Kultur und die institutionellen Rahmenbedingungen als stark verbesserungswürdig empfunden. Unsere Untersuchung zeigt sehr deutlich, dass sowohl die politischen Umgangsformen als auch die institutionellen Rahmenbedingungen von den in der Kommunalpolitik tätigen Frauen zum Teil sehr kritisch gesehen werden. Die häufigsten Antworten auf die offene Frage "Was gefällt Ihnen nicht an Ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit?" lassen sich mit 52 Prozent unter der Kategorie "politische Kultur" subsumieren, gefolgt von 39 Prozent Nennungen zum Thema "institutionelle Rahmenbedingungen".

Hinsichtlich der politischen Kultur bemängeln die befragten Frauen, dass zu häufig parteipolitische Orientierungen und persönliche Eitelkeiten die Sachorientierung bei politischen Entscheidungen überlagerten. Sie wünschen sich ein angenehmeres Arbeitsklima und eine kooperativere Arbeitsweise und mahnen mehr Effizienz in der Sitzungs- und Redekultur an (zum Beispiel ein Ende der "ewigen Endlosdiskussionen").

Was die institutionellen Rahmenbedingungen kommunalpolitischer Tätigkeit betrifft, ist ein knappes Viertel über die Schwerfälligkeit der Bürokratie und den daraus resultierenden immensen Zeitbedarf des kommunalpolitischen Engagements frustriert. Etwa jede achte Kommunalpolitikerin beklagt, dass ihr durch fehlende rechtliche Befugnisse oder finanzielle Mittel teilweise die Hände gebunden sind. Ferner bedauern zehn Prozent der ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen die Politikverdrossenheit der Bevölkerung; 13 Prozent wünschen sich mehr Anerkennung und Wertschätzung der kommunalpolitischen Tätigkeit seitens ihres Umfeldes sowie in der medialen Berichterstattung.


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