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13.11.2009 | Von:
Hans-Georg Ehrhart

Innere Führung und der Wandel des Kriegsbildes

Bewaffnete Konflikte und die Kriegsbilder haben sich drastisch verändert. Das stellt die Bundeswehr als "Armee im Einsatz" und ihr Markenzeichen, die Innere Führung, vor große Herausforderungen.

Einleitung

Was haben Wolf Graf Baudissin (1907-1993), einer der "Väter der Inneren Führung", und Carl von Clausewitz (1780-1831), einer der größten Strategietheoretiker der Geschichte, gemeinsam? Beide gingen von einem ganzheitlichen, Politik, Gesellschaft, Geschichte und Ethik integrierenden Ansatz aus. Die Wechselwirkungen dieser Kräfte spiegeln sich wider in den Streitkräften und den Kriegsbildern. Beide sind Teil dieses dynamischen Beziehungsgeflechts. Innere Führung als Führungsphilosophie und Strukturmerkmal demokratieverträglicher deutscher Streitkräfte muss sich also angesichts eines veränderten Kriegsbildes anpassen und zugleich ihren unverrückbaren Kern bewahren.






Dabei gilt es auch heute die Mahnung Baudissins an die Politik zu beherzigen: "Die Parteien müssen (...) die Clausewitz-These vom politischen Charakter alles Militärischen ernst nehmen."[1] Dem Deutschen Bundestag fällt bei der demokratischen Kontrolle der Bundeswehr vor dem Hintergrund des jeweiligen Kriegsbildes eine bedeutende Rolle zu. Er kontrolliert die Bundeswehr über sein Budgetrecht, den Verteidigungsausschuss und die Institution des Wehrbeauftragten, und er entscheidet über die Entsendung der Bundeswehr in eine Krisenregion. Gleichzeitig nehmen die Grundsätze der Inneren Führung auch den Bundestag in die Pflicht.

Bewaffnete Konflikte und die damit verbundenen Kriegsbilder haben sich drastisch verändert. Das stellt die Bundeswehr als "Armee im Einsatz" und die politische Führung vor große Herausforderungen und hat zugleich gravierende Auswirkungen auf das Markenzeichen der Bundeswehr - die Innere Führung.

Fußnoten

1.
Zit. nach: Axel Eggebrecht (Hrsg.), Die zornigen alten Männer. Gedanken über Deutschland seit 1945, Reinbek 1982, S. 223.

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