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13.11.2009 | Von:
Michael Paul

Zivil-militärische Interaktion im Auslandseinsatz

CIMIC-Funktionen im ISAF-Einsatz

Abgeleitet vom ISAF-Mandat hat der deutsche Kommandeur des Regionalkommandos Nord den Auftrag, ein sicheres und stabiles Umfeld zu schaffen und die Bedingungen für eine weitere positive Entwicklung herzustellen. Ein grundlegendes Problem besteht jedoch darin, dass im konzeptionellen Design der ISAF-Mission die extrem defizitären Strukturen des kriegszerstörten afghanischen Staatswesens nicht hinreichend berücksichtigt wurden. Faktisch muss ein "Staatsaufbau ohne Staat" betrieben werden.[7] Angesichts dieser Situation, die durch eine sich verschlechternde Sicherheitslage erschwert wird, erscheint der im Vergleich zum Balkan-Engagement geringe Streitkräfte- und Mittelansatz fragwürdig.

Die Bedeutung von CIMIC-Kräften bei der Beschaffung von Informationen, mit denen sich die Entwicklung im Einsatzgebiet beurteilen lässt, kann gerade in fluiden Sicherheitslagen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gleichwohl waren 2008 im deutschen ISAF-Einsatzkontingent nur 36 Soldaten im Bereich CIMIC eingesetzt - davon jeweils zwölf in den beiden Wiederaufbauteams. Wie soll mit einer derart geringen Zahl an CIMIC-Personal ein realistisches Lagebild erstellt werden? Zweifellos müssen nicht alle Daten kontinuierlich durch Erkundungstrupps überprüft und nicht alle Erhebungen von CIMIC-Kräften durchgeführt werden. Allerdings war bei dem auslaufenden Einsatz im Kosovo - wo eine vergleichbare Situation bestand (Nachkriegsgesellschaft, fehlende Staatlichkeit, Gewaltkriminalität) - mit 67 Soldaten ein größeres Kräftekontingent in der Verbindungsarbeit tätig, obwohl das deutsche Einsatzgebiet in den nordafghanischen Provinzen Badakhshan, Kunduz und Takhar mit einer Fläche von 64520 Quadratkilometern sechsmal so groß ist wie das Kosovo.

Fußnoten

7.
Vgl. Citha D. Maaß, Afghanistan: Staatsaufbau ohne Staat (SWP-Studie 4/2007), Berlin 2007.

NATO
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15-16/2009)

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Die 1949 gegründete NATO setzte der sowjetischen Militärmacht ein Bündnis von freiheitlichen Demokratien entgegen. Nach der Auflösung der Sowjetunion sucht die NATO eine neue, globale Aufgabenverteilung.

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