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13.11.2009 | Von:
Michael Paul

Zivil-militärische Interaktion im Auslandseinsatz

Zivil-militärische Beziehungen

Der Einsatz deutscher CIMIC-Kräfte erfolgt in unterschiedlicher Form. Die CIMIC-Stabskräfte im Regionalkommando Nord und in den PRTs beauftragen Erkundungstrupps (zwei Mann und ein Sprachmittler sowie Begleitschutz), die die zivile Lage erfassen, Kontakte herstellen und pflegen, Projekte identifizieren sowie bei deren Abstimmung und Realisierung unterstützend tätig sind. Die zur Erkundung eingesetzten Feldkräfte haben die Aufgabe, in den Ortschaften ihrer Zuständigkeitsgebiete Gespräche zu führen und Eindrücke zu sammeln, um daraus Village Profiles zu erstellen. Erfasst werden relevante Aspekte wie die Trinkwasserversorgung, die Bildungsinfrastruktur, die Sicherheitslage oder der Zustand lokaler Institutionen. Zudem überprüfen Projekttrupps (ein Bauingenieur und ein Bautechniker sowie ein Sprachmittler) die Entwicklung von Infrastrukturprojekten. Die Verbindungsarbeit wird von den Offizieren allein in Begleitung eines Sprachmittlers geleistet - dazu gehören Gespräche mit Vertretern von Provinzregierung, Provinzrat, afghanischer Armee und Polizei sowie Medien, mit Bürgermeistern, Mullahs und Ältesten oder den Repräsentanten von UNAMA (Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen). Aus all diesen Informationen erstellen die CIMIC-Stabskräfte das zivile Lagebild.

Aufgrund einer restriktiven Selbstverpflichtung des Verteidigungsministeriums werden keine umfangreichen Aufbauprojekte durchgeführt.[8] Vorrangig werden Unterstützungsmaßnahmen umgesetzt, die schnelle, sofort sichtbare Ergebnisse zeitigen. Diese Quick Impact Projects beruhen auf der Beurteilung der zivilen Lage und können auch humanitäre Hilfen beinhalten. Zudem steht dem Kommandeur ein "Handgeld" in Höhe von 30000 EUR für den Einsatzzeitraum von vier Monaten zur Verfügung, das er für Maßnahmen verwenden kann, die operativ notwendig sind. Grundsätzlich werden Mittel für CIMIC-Projekte in Afghanistan von Dritten bereitgestellt - auch durch private Spender, Firmen und Vereine. Die Bundeswehr stellt das notwendige Personal, Material und technische Gerät zur Verfügung. Insgesamt fallen Anzahl und Finanzvolumen von CIMIC-Projekten in Afghanistan signifikant geringer aus als bei den Balkan-Einsätzen.[9]

Ein Dilemma besteht in diesem Kontext darin, dass einerseits Hilfe notwendig ist, die in vielen Fällen nur Streitkräfte leisten können, weil zivile Alternativen nicht zur Verfügung stehen (so infolge des harten Winters 2007/2008, der im Januar fast tausend Tote in der Bevölkerung forderte), und dass sich damit andererseits "humanitäre Räume" verringern, in denen Hilfsorganisationen in zeitlicher und räumlicher Distanz zu den Streitkräften den Dialog mit allen Beteiligten führen können.

Fußnoten

8.
So wurde zugesagt, "keine CIMIC im gleichen Umfang wie bei den Balkan-Einsätzen durchzuführen, sondern allenfalls so viel an Nothilfe zu leisten, wie es für Zwecke der militärischen Stabilisierung unabdingbar ist". Michael Schmunk, Die deutschen Provincial Reconstruction Teams. Ein neues Instrument zum Nation-Building (SWP-Studie 33/05), Berlin 2005, S. 29.
9.
Vgl. M. Paul (Anm. 3), S. 20.

NATO
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15-16/2009)

NATO

Die 1949 gegründete NATO setzte der sowjetischen Militärmacht ein Bündnis von freiheitlichen Demokratien entgegen. Nach der Auflösung der Sowjetunion sucht die NATO eine neue, globale Aufgabenverteilung.

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