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13.11.2009 | Von:
Michael Paul

Zivil-militärische Interaktion im Auslandseinsatz

Resümee

In der deutschen Debatte wird der Beitrag der CIMIC-Kräfte häufig in Konkurrenz zu Hilfsorganisationen gesetzt. Dabei wird übersehen, dass sie für diese Rolle weder personell noch materiell hinreichend ausgestattet sind. Angesichts der reservierten bis ablehnenden Haltung der deutschen Bevölkerung zum ISAF-Einsatz bietet CIMIC andererseits ein positives Bild. Denn mit Impressionen vom Brückenbau und vom Brunnenbohren gewinnt der deutsche Beitrag zum internationalen Militäreinsatz ein populäres, da ziviles Image. Die innenpolitische Legitimation des Einsatzes wird gefördert, und die Mandatsverlängerung ist leichter zu erlangen. CIMIC-Projekte können jedoch nur punktuell und nicht nachhaltig erfolgreich sein. Außerdem sind sie nicht geeignet, notwendige Beiträge im Rahmen der Bündnissolidarität - die aktive Herstellung von Sicherheit - zu ersetzen. Wenn daran erinnert wird, dass man "Soldaten - und nicht bewaffnete Entwicklungshelfer!"[10] nach Afghanistan geschickt habe, geht es insofern auch um den Beitrag Deutschlands in langwierigen und gefährlichen Stabilisierungseinsätzen.

Im Einsatz in Afghanistan erweckt die Verpflichtung des Verteidigungsministeriums, allenfalls Nothilfe zu leisten, zusammen mit nationalen Vorbehalten und unzulänglichen Ressourcen den Eindruck einer Selbstblockade. Daraus sollte nicht die Konsequenz gezogen werden, dass auf die Unterstützung der Streitkräfte beim Wiederaufbau verzichtet werden könnte; sie ist gerade in fluiden Sicherheitslagen unverzichtbar und erfordert hinlängliche CIMIC-Fähigkeiten zu Verbindungsarbeit, Projektunterstützung und Lagebeurteilung. Ein Ansatz mag umfassend konzipiert und eine Doktrin detailliert sein, ihre Realisierung ist jedoch nur durch entsprechendes Personal und Ressourcen möglich.

Fußnoten

10.
Hans-Ulrich Klose, Gleiches Risiko für alle, in: Süddeutsche Zeitung vom 21.2. 2008, S. 2.

NATO
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15-16/2009)

NATO

Die 1949 gegründete NATO setzte der sowjetischen Militärmacht ein Bündnis von freiheitlichen Demokratien entgegen. Nach der Auflösung der Sowjetunion sucht die NATO eine neue, globale Aufgabenverteilung.

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