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13.11.2009 | Von:
Rüdiger Fiebig
Carsten Pietsch

Die Deutschen und ihre Streitkräfte

Auf empirischer Grundlage wird dargestellt, in welchen Formen – etwa Faktenwissen über die Bundeswehr, Vertrauen und Bewertung der Aufgabenerfüllung – sich Rückhalt für die Streitkräfte ausdrückt.

Einleitung

Nachdem das Bundesverfassungsgericht vor 15 Jahren die Auslandseinsätze der Bundeswehr legitimiert hat (BVerfGE 90, 286), ist der Einsatz deutscher Streitkräfte fernab der Heimat zum Normalfall geworden: So war im zurückliegenden Jahr militärisches Personal in einer Gesamtstärke von knapp 7000 Soldatinnen und Soldaten in verschiedenen Missionen im Auftrag der UNO, der Europäischen Union oder der NATO weltweit im Einsatz.






Doch wie sieht es an der "Heimatfront" aus? Im vergangenen Herbst machte der von Bundespräsident Horst Köhler geprägte Begriff vom "freundlichen Desinteresse" an der Bundeswehr die Runde, womit er konstatierte, dass die Bürgerinnen und Bürger zu wenig Anteil nähmen am Auftrag und Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten - schließlich wolle "(k)eine Armee der Welt (...) sich bei ihrem Einsatz nur auf moderne Waffen und Gerät stützen, sie will auch begleitet sein von Unterstützung durch die Mitbürger, von Anteilnahme an ihrem gefährlichen Dienst".[1] Einen ähnlichen Ton schlug der Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe im Frühjahr 2009 an, als er in seinem jährlichen Bericht feststellte, dass der fehlende Rückhalt der Bevölkerung für die Bundeswehr ihm gegenüber "bei nahezu jedem Truppenbesuch vom Rekruten bis zum General hin offen beklagt" werde.[2]


Wie ist dieses Lamento über fehlende Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten und mangelnde Anteilnahme an deren Einsatz zu bewerten? Auf der Grundlage der Bevölkerungsbefragung 2008 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr[3] soll ergründet werden, welche Formen des Rückhalts es für die deutschen Streitkräfte tatsächlich unter den Bürgerinnen und Bürgern gibt. Rückhalt kann in diesem Sinn neben Faktenwissen über die Bundeswehr und deren Einsätze auch Kategorien wie Vertrauen und positive Bewertung der Aufgabenerfüllung umfassen.

Dazu sollen im Folgenden der Kenntnisstand der Deutschen über die Bundeswehr und ihr Vertrauen in die Streitkräfte skizziert werden. Abschließend soll untersucht werden, woraus sich dieses Vertrauen der Bevölkerung in die Bundeswehr speist.

Fußnoten

1.
Deutsche Sicherheitspolitik - Stärken, Schwächen, Aufgaben. Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler beim Forum Sicherheitspolitik "Impulse 21" am 27.11. 2008 in Berlin.
2.
Deutscher Bundestag, Drs. 16/12200, Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten, Jahresbericht 2008 (50. Bericht), S. 6.
3.
Grundgesamtheit: Alle deutschsprachigen Personen ab 16 Jahren, die in Privathaushalten in der Bundesrepublik Deutschland leben; 2422 realisierte Interviews. Stichprobenziehung: Im Rahmen des ADM-Mastersamples, repräsentative, mehrstufig geschichtete Zufallsstichprobe, Random Route-Verfahren. Erhebungsmethode: CAPI, 280 Interviewer. Befragungszeitraum: Juni 2008. Bundesweite Datenerhebung durch TNS Emnid. Durchschnittliche Interviewdauer: ca. 60 Minuten.

NATO
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15-16/2009)

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Die 1949 gegründete NATO setzte der sowjetischen Militärmacht ein Bündnis von freiheitlichen Demokratien entgegen. Nach der Auflösung der Sowjetunion sucht die NATO eine neue, globale Aufgabenverteilung.

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