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13.11.2009 | Von:
Karl-Heinz Biesold

Einsatzbedingte psychische Störungen

Die internationalen Einsätze im Rahmen von UN-, EU- und NATO-Missionen stellen hohe Anforderungen an die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Häufig kommt es zu Posttraumatischen Belastungsstörungen.

Einleitung

Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen. Jonathan Shay[1]




Die Bundeswehr nimmt seit Anfang der 1990er Jahre im Rahmen ihres erweiterten Aufgabenspektrums an internationalen friedenssichernden, militärischen Einsätzen und UN-Beobachtermissionen teil.

Bedingt durch die Aufgaben, die im Transformationsprozess der Streitkräfte aus den neuen Einsatzgrundsätzen für die Bundeswehr folgen, wurden auch
Seit 2002 starben 28 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Foto: APFoto: AP
Veränderungen in der sanitätsdienstlichen Organisation und der medizinischen Versorgung erforderlich. In der modernen Wehrmedizin des 21. Jahrhunderts sind es drei große Themenbereiche, die im Sanitätsdienst der Bundeswehr die Einsatzmedizin dominieren:
    1. Notfallmedizin und Einsatzchirurgie mit der Optimierung schneller, lebensrettender Maßnahmen in der golden hour bis hin zu den modernen Entwicklungen der damage-control-surgery und der medical evacuation mit einer optimierten Rettungskette vom Einsatzort bis ins Heimatland.

    2. Hygiene und Infektiologie mit Erforschung weltweiter Gesundheitsrisiken durch medical intelligence und der Anwendung aktuellster tropenmedizinischer Diagnose- und Therapiestandards.

    3. Psychotraumatologie[2] mit präventiven, diagnostischen und therapeutischen Strategien zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der seelischen Gesundheit nach militärischen Einsätzen.
Während Notfallmedizin, Einsatzchirurgie und Infektiologie in erster Linie der Verhütung von Gesundheitsschäden bzw. der optimalen Behandlung von Verletzungen während des Einsatzes dienen, kommen die psychischen Auswirkungen nach dem Erleben extremer Belastungen nicht selten erst nach dem Ende der Einsätze, manchmal mit monate- und jahrelanger Latenz, zur Erscheinung. Körperliche Traumatisierungen sind in der Regel unmittelbar sichtbar und meist auch rasch in ihren Ausmaßen überschaubar. Die Folgen seelischer Verletzungen werden aber von den Betroffenen nicht selten zunächst gar nicht registriert oder akzeptiert und von Vorgesetzten, Kameraden und auch von den behandelnden Ärzten nicht wahrgenommen. Dies erschwert die Erfassung der Erkrankten, verhindert die rechtzeitige, adäquate therapeutische Hilfestellung und macht verlässliche epidemiologische Aussagen ohne gezielte Untersuchungen fast unmöglich.

Fußnoten

1.
Jonathan Shay ist amerikanischer Psychotherapeut, der seit vielen Jahren in der Betreuung von Kriegsveteranen tätig ist. In Deutschland ist er durch sein Buch Achill in Vietnam: Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust (Hamburg 1998, Orig. 1995) bekannt geworden, in dem er Parallelen zwischen dem Vietnamkrieg (1960/65 - 30.4. 1975) und dem Trojanischen Krieg (12. oder 13. Jahrhundert v. Chr.) aufzeigt, die belegen, dass Kriege in jedem Zeitalter permanente seelische Zerstörungen bei Individuen und Gesellschaften verursachen.
2.
Psychotraumatologie ist ein eigenständiger Zweig der Psychiatrie und Psychologie, der sich mit der Erforschung und Behandlung seelischer Verwundungen (Traumata) befasst.

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