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Detailaufnahme eines grauen Straßenbelags in Italien mit aufgedruckter Markierung "Proprieta Privata".

2.10.2020 | Von:
Markus M. Grabka
Johannes König
Carsten Schröder

Personelle Vermögensverteilung in Deutschland

Wichtig für die materielle Wohlfahrt einer Person ist nicht nur ein regelmäßiges Einkommen, sondern auch ihr individuelles "marktfähiges" Vermögen, also die Summe aller geldwerten Güter wie etwa Geld- oder Immobilienvermögen. Dem individuellen Vermögen kommen eine Vielzahl von Funktionen zu: So kann Vermögen – etwa durch Vermietung von Immobilien oder Zinseinkünfte – Einkommen generieren (Einkommensfunktion); die eigene Nutzung von Sachvermögen (zum Beispiel Wohneigentum) stiftet unmittelbaren Nutzen (Nutzungsfunktion); das Aufzehren von Vermögen kann der Stabilisierung des Konsums bei Einkommensausfällen besonders in der Verrentungsphase dienen (Sicherungsfunktion). Ferner ist es denkbar, dass größere Vermögen wirtschaftliche und politische Macht verleihen (Machtfunktion) und dazu dienen, einen hohen Status zu erreichen oder aufrechtzuerhalten (soziale Mobilitäts- oder Statuserhaltungsfunktion). Schließlich ist Vermögen intergenerational übertragbar und vergrößert die materiellen Möglichkeiten der Folgegeneration (Vererbungsfunktion). Schon diese Vielzahl von Einzelfunktionen erklärt, weshalb Vermögen und seine Verteilung ein besonderes wissenschaftliches und gesellschaftliches Interesse hervorrufen.

Für die folgende Beschreibung der personellen Vermögensverteilung in Deutschland wird auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zurückgegriffen.[1] Das SOEP ist eine repräsentative Längsschnitterhebung, bei der seit 1984 jedes Jahr dieselben Personen und Haushalte wiederholt befragt werden. Im Gegensatz zu anderen Bevölkerungsbefragungen, in denen das Vermögen auf Haushaltsebene erfasst wird, werden im SOEP die individuellen marktfähigen Vermögen aller Personen ab 17 Jahren eines Privathaushalts separat ermittelt. Dabei werden folgende acht Bruttokomponenten des Vermögens erfragt: 1) selbst genutztes Wohneigentum, 2) sonstiger Immobilienbesitz (unter anderem unbebaute Grundstücke, Ferien- und Wochenendwohnungen), 3) Geldvermögen (Sparguthaben, Spar- und Pfandbriefe, Aktien und Investmentanteile), 4) Vermögen aus privaten Versicherungen (Lebens- und private Rentenversicherungen einschließlich sogenannter Riester-Verträge), 5) Bausparguthaben, 6) Betriebsvermögen (Besitz von Einzelunternehmen und Beteiligungen an Personen- oder Kapitalgesellschaften, nach Abzug von betrieblichen Verbindlichkeiten), 7) Sachvermögen in Form wertvoller Sammlungen wie Gold, Schmuck, Münzen oder Kunstgegenstände sowie 8) der Wert von Fahrzeugen.

Auf der Seite der Verbindlichkeiten werden vier Komponenten erfasst: 1) Hypothekenkredite auf selbst genutzte Immobilien, 2) Hypothekenkredite auf sonstige Immobilien, 3) Konsumentenkredite und 4) Studienkredite. Werden die Verbindlichkeiten vom Bruttovermögen abgezogen, ergibt sich das Nettogesamtvermögen, das üblicherweise für Analysen zur personellen Vermögensverteilung herangezogen wird. Anwartschaften gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung und auf betriebliche Alterssicherung bleiben bei der Definition des Nettovermögens unberücksichtigt.[2]

Im Folgenden präsentieren wir primär Vermögensinformationen aus dem Jahr 2017. Ergänzt werden diese Angaben durch eine neue Teilstichprobe des SOEP von Anteilseignern an Betriebsvermögen weltweit mit Wohnsitz in Deutschland, genannt SOEP-P, die 2019 erstmals befragt wurden. Diese Teilstichprobe soll eine Datenlücke im Bereich hoher Vermögen schließen, die bislang in allen bekannten repräsentativen Datenquellen – auch im SOEP – in Deutschland vorlag.[3] Um den obersten Rand der Vermögensverteilung ebenfalls abzubilden, werden für Analysen zur Vermögenskonzentration die Daten aus SOEP und SOEP-P ergänzt um Vermögensangaben zu den 700 reichsten Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland.[4]

Die vorliegenden Vermögenswerte im SOEP sind Selbsteinschätzungen der Befragten. Diese sind vermutlich fehlerbehaftet. So setzt die Validität der Angaben voraus, dass die Menschen ausreichende Marktkenntnisse über den Wert der Vermögensbestände haben. Bestimmte Vermögenskomponenten werden aber selten am Markt gehandelt, wie zum Beispiel Betriebsvermögen oder Kunst, sodass ein aktueller Marktwert nur schwer bestimmbar ist.

Generell ist die Abfrage von Vermögen (wie auch von Einkommen) in freiwilligen Befragungen wie dem SOEP sensitiv: Nicht alle Menschen sind bereit, Auskünfte über ihre Finanzen zu geben. Im SOEP werden fehlende Angaben bei jeder einzelnen Vermögens- und Schuldenposition durch komplexe statistische Ersetzungsverfahren korrigiert. Dadurch wird sichergestellt, dass systematische Ausfallmuster (beispielsweise in Abhängigkeit vom Alter oder dem Geschlecht) in den Daten korrigiert werden, wenngleich weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der Höhe der ersetzten Werte vorliegt.

Vermögenskonzentration

Das Nettogesamtvermögen der Personen in Privathaushalten in Deutschland summiert sich 2017 auf 10,3 Billionen Euro. Legt man dieses auf alle Personen ab 17 Jahren um, so kommt man auf ein durchschnittliches individuelles Nettovermögen von rund 139.000 Euro. Der Median, also der Wert, der die reichere von der ärmeren Hälfte der Bevölkerung trennt, liegt bei 22.800 Euro. Bei etwa sechs Prozent der Bevölkerung ist das Nettovermögen negativ, dies bedeutet, dass die Verbindlichkeiten – hierbei insbesondere Konsumentenkredite – höher ausfallen als das Bruttovermögen. Um zu den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung zu gehören, bedarf es eines individuellen Nettovermögens von mindestens 280.000 Euro. Der Schwellenwert zum reichsten einen Prozent der Bevölkerung beträgt etwa 1,3 Millionen Euro.

Ein aggregiertes Standardmaß zur Messung von Vermögensungleichheit ist der Gini-Koeffizient. Je höher sein Wert, desto ungleicher sind die Vermögen verteilt. In der Bundesrepublik liegt der Gini-Koeffizient bei etwa 0,83. Im internationalen Vergleich ist das ein relativ hoher Ungleichheitswert. Für die USA etwa wird für 2016 ein Gini-Koeffizient von 0,87 berichtet.[5] Innerhalb des Euro-Raums weisen ansonsten die Niederlande mit einem Gini-Koeffizienten von 0,78 im Jahr 2017 die höchste Vermögensungleichheit auf.[6] Beide Angaben basieren aber entgegen dem hier verwendeten Konzept individueller Nettovermögen auf Haushaltsnettovermögen, was zu etwas geringeren Werten als bei individuellen Vermögen führt.[7] Bei einem internationalen Vergleich der Vermögensungleichheit ist zudem zu beachten, dass nicht in allen Ländern das obere Ende der Verteilung, wie in der vorliegenden Datengrundlage, gut abgedeckt ist. Zudem hängt das Motiv für den Aufbau von Vermögen wesentlich von der Ausgestaltung des landesspezifischen sozialen Sicherungssystems ab: In Ländern mit einem gut ausgebauten System der sozialen Sicherung ist die Notwendigkeit, Privatvermögen als Vorsorge aufzubauen, eine ganz andere als beispielsweise in den angelsächsischen Ländern, die viel mehr auf eigene Vorsorge setzen.

Das hohe Ausmaß der Vermögenskonzentration in Deutschland wird durch einen weiteren Indikator bestätigt: den Anteil, den ein bestimmter Teil der Bevölkerung am Gesamtvermögen hält (Abbildung 1). Die untere Hälfte der erwachsenen Bevölkerung hält – auch wegen persönlicher Verschuldung – einen Anteil am Gesamtvermögen von lediglich 1,3 Prozent. Im Bereich des sechsten bis neunten Dezils (also jeweils einem Zehntel der Bevölkerung) nimmt der Anteil sukzessive von unter 2 auf 5, über 9 bis hin zu 15 Prozent zu. Die reichsten 10 Prozent kommen auf einen Anteil am Gesamtvermögen von zwei Dritteln. Das reichste Prozent der Bevölkerung hält einen Vermögensanteil von 35 Prozent. Dies entspricht in etwa so viel, wie die unteren 90 Prozent der Bevölkerung zusammen am Gesamtvermögen halten. Und schaut man nur auf die Gruppe der reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung, so haben diese einen Anteil am Gesamtvermögen von einem Fünftel.
Abbildung 1: Anteil am Gesamtvermögen nach Bevölkerungsgruppen, in Prozent.Abbildung 1: Anteil am Gesamtvermögen nach Bevölkerungsgruppen, in Prozent. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Bundeszentrale für politische Bildung)

Betrachtet man die Vermögensungleichheit im Zeitverlauf, so zeigt sich, dass der Gini-Koeffizient auf Grundlage der SOEP-Daten[8] 2017 im Vergleich zu 2002, dem ersten Jahr der Erhebung von individuellen Vermögensangaben im SOEP, unverändert geblieben ist. Zieht man alternativ Angaben aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes heran, so wird auf dieser Datenbasis eine rückläufige Vermögensungleichheit seit 2008 sichtbar. Nach den Daten des Surveys Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF) der Deutschen Bundesbank wiederum kommt es erst seit 2015 zu einem Rückgang der Vermögensungleichheit in Deutschland.[9]

Unterschiede zwischen Ost und West

Ein Vergleich der durchschnittlichen Nettovermögen 2017 nach Altersgruppen[10] zeigt für in Westdeutschland lebende Personen ein deutliches Lebenszyklusmuster (Abbildung 2). Bis zu einem Alter von 25 Jahren verfügen junge Erwachsene über sehr geringes oder gar kein Vermögen. Mit Abschluss der Ausbildungsphase und dem Eintritt in das Erwerbsleben besteht die Möglichkeit, zu sparen und eigenes Vermögen aufzubauen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt dann das durchschnittliche Nettovermögen deutlich an. Mit dem Übergang in die Rentenphase kommt es zu einer Trendumkehr: Das Erwerbseinkommen fällt weg, dafür wird das Vermögen aufgezehrt. In der mittleren Ruhestandsphase steigt dann signifikant die Wahrscheinlichkeit von Erbschaften, sowohl durch die Elterngeneration als auch durch Ehe- und Lebenspartner. Im höheren Rentenalter setzt sich das Entsparen weiter fort, da sowohl private Ausgaben für Krankheit und Pflege steigen als auch vermehrt Schenkungen, zum Beispiel an Kinder oder Enkel, getätigt werden.
Abbildung 2: Individuelle Nettovermögen nach Alter und Region 2017, in Euro.Abbildung 2: Individuelle Nettovermögen nach Alter und Region 2017, in Euro. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Das Nettovermögen der Erwachsenen in Westdeutschland fällt in allen Altersgruppen – zum Teil deutlich – höher aus als in Ostdeutschland und beläuft sich im Durchschnitt auf gut 142.000 Euro im Westen im Vergleich zu 63.000 Euro im Osten. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Vermögensabstand zwischen Ost- und Westdeutschland zu: Während im Jahr 2017 bei den 21- bis 25-Jährigen diese Differenz bei 4.000 Euro liegt, beträgt sie bei den 51- bis 55-Jährigen 74.000 Euro und erreicht den höchsten Unterschied bei den 71- bis 75-Jährigen mit 165.000 Euro. Die große Differenz insbesondere im höheren Lebensalter erklärt sich aus den geringen Sparmöglichkeiten zu DDR-Zeiten, einem geringeren Lohnniveau nach der Wiedervereinigung, geringeren Marktwerten von Immobilien in weiten Teilen Ostdeutschlands sowie geringeren Anteilen an Haus- und Wohnungseigentum im Vergleich zu Westdeutschland.

Vermögen und Wohneigentum

Die große Vermögensdifferenz zwischen Menschen mit Wohnsitz in Ost- und Westdeutschland spiegelt sich auch im Anteil von Eigentümern selbstgenutzter Immobilien. Immobilien sind die quantitativ wichtigste Anlageform, bei der es zudem in den vergangenen Jahren deutliche Wertsteigerungen gab. Daher lohnt eine Analyse nach dem Eigentümerstatus von selbst genutzten Immobilien (Abbildung 3). Beide Gruppen – Mieter und Eigentümer – unterscheiden sich signifikant in der Höhe ihrer Nettovermögen. Während Personen in Mieterhaushalten nur über ein Nettovermögen von rund 35.500 Euro verfügen, beläuft sich dieses bei Personen in selbstgenutztem Wohneigentum im Durchschnitt auf 222.000 Euro.
Abbildung 3: Individuelle Nettovermögen nach Alter und Eigentümerstatus 2017, in Euro.Abbildung 3: Individuelle Nettovermögen nach Alter und Eigentümerstatus 2017, in Euro. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Wird des Weiteren nach Altersgruppen differenziert, so zeigen sich auch hier signifikante Unterschiede im Vermögensprofil. Während bei beiden Statusgruppen das Nettovermögen bis zum Alter von 25 Jahren kaum Unterschiede aufweist, steigt die Höhe des Nettovermögens im Altersverlauf bei Eigentümern weitaus stärker als bei Mietern. Das individuelle Nettovermögen erreicht mit einem Wert von knapp 328.000 Euro bei Eigentümern im Alter von 71 bis 75 Jahren seinen Höchststand. Bei Mietern wird im Durchschnitt der Maximalwert von 96.000 Euro bereits im Alter von 51 bis 55 Jahren erreicht, wobei das Vermögensprofil deutlich flacher verläuft.

Der Unterschied zwischen den beiden Statusgruppen lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass Immobilienbesitzer, die eine Hypothek aufgenommen haben, sich durch regelmäßige Rückzahlungen vertraglich verpflichten, über einen langen Zeitraum kontinuierlich Vermögen aufzubauen. In Mieterhaushalten gibt es eine solche Selbstverpflichtung nicht, und die Ausgaben für die Miete senken die Möglichkeiten zum Sparen.[11] Zudem verzichten Menschen, die häufig ihren Arbeitsort wechseln müssen, oft auf den Erwerb von Immobilien.

Für die Vermögensungleichheit spielt der Anteil der Wohnungseigentümer eine wichtige Rolle. Länder mit einem geringen Anteil von Eigentümern selbstgenutzter Immobilien weisen typischerweise auch ein höheres Maß an Vermögensungleichheit auf. So verfügen in Deutschland und Österreich nur 44 beziehungsweise 46 Prozent aller Haushalte über eine selbstgenutzte Immobilie. In Ländern mit einem hohen Anteil selbstgenutzter Immobilien ist die Vermögensungleichheit hingegen eher gering. Dies trifft beispielsweise auf Länder wie Kroatien oder die Slowakei zu, die einen Anteil von mehr als 85 Prozent selbstnutzender Immobilieneigentümer aufweisen.[12]

Vermögensportfolio

Um eine vergleichende Analyse soziodemografischer, ökonomischer und qualitativer Merkmale entlang der Verteilung individueller Nettovermögen vorzunehmen, werden die Erwachsenen im SOEP in vier Gruppen eingeteilt: Die untere Hälfte der Vermögensverteilung sind Personen mit einem individuellen Nettovermögen unterhalb des Medians; die obere Mittelschicht sind Personen vom Median bis zum 75. Perzentil (von 22.800 Euro bis 126.000 Euro), Wohlhabende sind Personen vom 75. bis knapp unter das 99. Perzentil (von 126.000 Euro bis unter eine Million Euro). Die vierte Gruppe besteht aus den Netto-Vermögensmillionären (sie machen die reichsten 1,5 Prozent der Verteilung aus).

Millionäre verfügen nicht nur über höhere Vermögen, sie legen diese auch anders an. Die untere Hälfte der Vermögensverteilung verfügt im Durchschnitt über ein Bruttovermögen von rund 11.000 Euro. Davon entfallen mehr als 29 Prozent (rund 3.200 Euro) auf Fahrzeuge, etwa ein Viertel (rund 2.700 Euro) auf selbstgenutztes Wohneigentum und jeweils rund 15 Prozent (etwa 1.600 beziehungsweise 1.500 Euro) auf Geldanlagen und private Versicherungen. Das durchschnittliche Bruttovermögen der oberen Mittelschicht ist mit rund 96.000 Euro fast neun Mal so hoch. Die drei wichtigsten Vermögenskomponenten dieser Gruppe sind selbstgenutztes Wohneigentum mit rund 59 Prozent (rund 57.000 Euro), gefolgt von Geldanlagen mit etwa 13 Prozent (13.000 Euro) sowie private Versicherungen mit ungefähr neun Prozent (rund 8.300 Euro). Wohlhabende halten im Durchschnitt ein Bruttovermögen von etwa 330.000 Euro. Auch hier ist selbstgenutztes Wohneigentum mit einem Anteil am Bruttovermögen von fast 60 Prozent (rund 190.000 Euro) die wichtigste Vermögenskomponente. Sonstige Immobilien gewinnen an Bedeutung und sind mit anteilig etwa 15 Prozent (rund 50.000 Euro) die zweitgrößte Komponente. Dieser folgen Geldanlagen mit einem Anteil am Vermögen von rund 12 Prozent (etwa 39.000 Euro).

Bei den Millionären beträgt das durchschnittliche Bruttovermögen etwas mehr als drei Millionen Euro. Hier dominieren das Betriebsvermögen mit einem Anteil von circa 40 Prozent (rund 1,26 Millionen Euro), gefolgt von sonstigen Immobilien, die rund ein Viertel des Bruttovermögens ausmachen (etwa 792.000 Euro), und selbstgenutztem Wohneigentum mit circa 18 Prozent (rund 575.000 Euro). Es dominieren somit Anlageformen, die auf die Generierung von Erträgen (Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und Gewerbebetrieb) abzielen. Geldvermögen spielt in dieser Gruppe eine untergeordnete Rolle.

Mit Blick auf die Nettovermögen, also die Bruttovermögen abzüglich der Schulden, fällt auf, dass in der unteren Hälfte der Vermögensverteilung die Schulden, vor allem in Form von Konsumentenkrediten, durchschnittlich fast so hoch sind wie die Vermögenswerte. Dementsprechend liegt das durchschnittliche Nettovermögen mit weniger als 3.700 Euro auf sehr niedrigem Niveau. Hypotheken auf das selbstgenutzte Wohneigentum sind hier im Mittel fast genauso hoch wie deren Bruttowerte. Auch Konsumentenkredite spielen in dieser Gruppe im Gegensatz zu den vermögenderen Gruppen eine relativ große Rolle.

In der oberen Mittelschicht liegt das Nettovermögen im Durchschnitt bei rund 74.000 Euro. Die durchschnittlichen Verbindlichkeiten in diesem Vermögenssegment summieren sich auf rund 22.500 Euro, wobei der überwiegende Teil auf Hypothekenkredite für selbstgenutzte Immobilien entfällt (rund 83 Prozent).

Wohlhabende verfügen über ein durchschnittliches Nettovermögen von fast 300.000 Euro und haben Verbindlichkeiten von 31.000 Euro. Auch hier erklären sich die Schulden vor allem durch Hypothekenkredite (rund 65 Prozent) für selbstgenutzte und weitere 28 Prozent für sonstige Immobilien.

Millionäre hingegen besitzen ein Nettovermögen von durchschnittlich etwa drei Millionen Euro. Auch sie halten Verbindlichkeiten (rund 180.000 Euro), die sich weit überwiegend aus Hypotheken für sonstige Immobilien erklären (etwa 140.000 Euro).

Vermögensmillionäre lassen sich hinsichtlich ihrer soziodemografischen Eigenschaften folgendermaßen charakterisieren: Sie bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Männern, sie leben weit mehrheitlich in Westdeutschland und weisen keinen Migrationshintergrund auf. Dem Lebenszyklusansatz entsprechend sind Millionäre häufiger in der Altersgruppe ab 50 Jahren zu finden. Trotz ihres überdurchschnittlichen Lebensalters geht diese Gruppe häufig einer Erwerbstätigkeit nach, wobei Selbstständigkeit als Erwerbsform klar dominiert. Liegt ein Angestelltenstatus vor, so sind dies häufig Angestellte mit Führungsaufgaben. Betrachtet man die Betriebsgröße von Selbstständigen, so machen Soloselbstständige ein Fünftel dieser Gruppe aus, während knapp die Hälfte der selbstständigen Millionäre Unternehmen mit zehn und mehr Mitarbeitenden führen.

Relevanz von Erbschaften und Schenkungen

Vermögensaufbau kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Eine Möglichkeit ist das regelmäßige Sparen. Je höher das Haushaltsnettoeinkommen ist, desto eher kann Geld zur Seite gelegt werden, um Vermögen aufzubauen. Dabei nimmt nicht nur der Anteil der Sparer mit der Höhe des Einkommens zu, sondern auch die Höhe des Sparbetrags. Vermögensveränderungen ergeben sich aber auch durch Wertsteigerungen. Hierbei ist nicht nur an kurzfristige Veränderungen wie zum Beispiel bei Aktienkursen zu denken, auch andere Vermögensarten können ihren Wert über die Zeit hinweg deutlich ändern. Dies gilt zum Beispiel für Kunstgegenstände oder Sammlungen, aber auch für das Betriebsvermögen oder den Wert von Immobilien. Letztere haben in weiten Teilen Deutschlands vor allem seit 2010 erhebliche Wertsteigerungen erfahren,[13] vor allem durch eine höhere Nachfrage in den städtischen Regionen. Neben dem Vermögensaufbau durch Sparen oder Wertsteigerungen spielen auch intergenerationale Transfers eine wichtige Rolle. Solche Transfers können sowohl in Form von Schenkungen als auch in Form von Erbschaften stattfinden.

In Deutschland gab 2017 jeder zehnte Erwachsene an, in den vergangenen 15 Jahren eine Erbschaft oder größere Schenkung erhalten zu haben. Schenkungen finden dabei vornehmlich im mittleren Erwachsenenalter zwischen 25 und 54 Jahren statt, während Erbschaften vorwiegend ab einem Alter von über 55 Jahren vorkommen. Die durchschnittliche Höhe von Erbschaften und größeren Schenkungen belief sich auf rund 84.000 Euro. Vergleicht man die Höhe des Nettovermögens der Personen, die angeben, eine Vermögensübertragung erhalten zu haben, mit denen, die keinen solchen Transfer berichten, so beläuft sich diese Differenz auf etwas mehr als 140.000 Euro.

Generell gilt dabei, dass Personen, die selbst bereits ein überdurchschnittliches Vermögen ansparen konnten, nicht nur häufiger berichten, eine solche Vermögensübertragung, sondern auch höhere Erbschafts- beziehungsweise Schenkungsbeträge erhalten zu haben. Personen aus der unteren Hälfte der Vermögensverteilung berichten nur zu vier Prozent über einen solchen Vermögenstransfer, in der Mittelschicht sind dies immerhin elf Prozent. Die Gruppe der Wohlhabenden berichtet zu einem Fünftel von einem solchen Transfer gegenüber 29 Prozent in der Gruppe der Vermögensmillionäre.

Schlussfolgerungen

Unsere Ausführungen zeigen, dass die Vermögensungleichheit in Deutschland im internationalen Vergleich hoch ist. So hielt 2017 das reichste Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen Anteil am Nettogesamtvermögen von 35 Prozent, während der Anteil der unteren Hälfte bei nur 1,3 Prozent lag.

Bei der Einordnung der hohen Vermögensungleichheit ist zu beachten, dass diese zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen und für den Querschnitt der gesamten erwachsenen Bevölkerung betrachtet wird. Man vergleicht also die Vermögen von jungen, älteren und alten Erwachsenen – ohne zu beachten, dass der Vermögensaufbau und -abbau ein dynamischer, lebenslanger Prozess ist. Man vergleicht auch Menschen, die heute mehr sparen, um morgen mehr zu konsumieren oder Unsicherheiten vorzubeugen, mit Menschen, die lieber heute konsumieren. In jedem Fall lassen sich die gemessenen Vermögensungleichheiten nicht ohne Weiteres gleichsetzen mit ungleichen Konsummöglichkeiten über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Um die hohe Vermögenskonzentration zu verringern beziehungsweise Vermögen im unteren Bereich aufzubauen, werden vor allem drei Maßnahmen diskutiert: 1) eine progressive Vermögensteuer, 2) gebundene Transfers, um das Sparverhalten derer anzuregen, die dies bisher nicht oder nicht ausreichend getan haben, sowie 3) eine progressivere und stärkere Besteuerung von Vermögensübertragungen von einer Generation auf die nächste.

Im politischen Diskurs wird immer wieder ein Comeback der Vermögensteuer diskutiert. Kritiker derselben argumentieren, dass eine Vermögensteuer mit hohem administrativen Aufwand sowie potenziellen Ausweichreaktionen (Verschiebung von Vermögen ins Ausland) verbunden sei.[14] Es gibt aber noch weitere Gegenargumente: Wie gezeigt wurde, halten viele Hochvermögende Betriebsvermögen. Anreize, ihr Vermögen produktiver Aktivität zu entziehen, kann langfristig Konsequenzen für den materiellen Wohlstand aller haben, weil Investitionen, die Arbeitsplätze geschaffen hätten, möglicherweise nicht mehr oder weniger umfangreich getätigt werden. Auch die aktuelle Rezession verdeutlicht das Problem einer Vermögensteuer, da diese ertragsunabhängig bemessen wird und in einer Krisensituation die Rezession noch zusätzlich verschärfen kann.

Zudem: Menschen sparen auch, um ihre Konsummöglichkeiten in der Zukunft zu vergrößern. Wie viel sie sparen, hängt von ihrer Präferenz ab, mit der sie "Konsum heute" im Vergleich zu "Konsum morgen" bewerten. Hier stellt sich also die Frage, warum man diejenigen stärker besteuern sollte, die lieber morgen konsumieren möchten oder vorsichtiger sind.

Staatliche Anreize zur Vermögensbildung, wie die Riester- oder die Rürup-Rente, gibt es bereits. Allerdings zeigt sich, dass diese nicht zielgenau sind und von Haushalten mit geringen Ressourcen eher selten genutzt werden.[15] Ein möglicher Ansatz, den Vermögensaufbau in der Breite der Bevölkerung zu fördern, besteht in einer Reform der staatlich geförderten privaten Alterssicherung, etwa indem man individualisierte Vermögenskonten einführt, in die der Staat (für diejenigen mit geringen finanziellen Möglichkeiten) einzahlt und auf die die Menschen (ab einem bestimmten Alter) zugreifen können. Erfahrungen aus dem Ausland, etwa aus Schweden, zeigen, dass bei einer relativ hohen zu erwartenden Rendite auch eine hohe Teilnahmequote erzielt werden kann.[16] Daneben ist an eine veränderte Immobilienförderung zu denken, die mehr Menschen in die Lage versetzt, privaten Immobilienbesitz zu erwerben.[17] Dabei ist die absolute Höhe der staatlichen Förderung deutlich wichtiger als staatlich geförderte Extrarenditen, da diese bei geringen Sparbeträgen kaum Wirkung entfalten.[18]

Ein drittes Instrument zur Verringerung einer hohen Vermögenskonzentration ist die Erbschaftssteuer, denn ein großer Anteil der Vermögen wird vererbt[19] – resultiert also weder aus selbst erzieltem Einkommen noch aus Konsumverzicht heute. Sie harmoniert mit dem meritokratischen Gedanken, dass sich Menschen ihren Wohlstand verdienen sollten. Sowohl die Verschonungsabschläge bei der Übertragung von Betriebsvermögen auf die Folgegeneration als auch die ansonsten relativ hohen Freibeträge für sonstiges Vermögen haben die Basis dieser Steuer erodiert. Sind die Erbenden keine guten Unternehmer, könnte eine stärkere Besteuerung bei der Übertragung von Betriebsvermögen auch einen Beitrag zur Stärkung des Standorts Deutschland und des Arbeitsplatzerhalts leisten.[20] Zumindest sollte die Zehnjahresfrist im Erbschaftssteuergesetz insofern überdacht werden, dass eventuelle Freibeträge nur einmal im Leben, aber nicht alle zehn Jahre wiederholt in Anspruch genommen werden können.

Insgesamt beläuft sich das staatliche Fördervolumen zur Vermögensbildung derzeit auf weniger als vier Milliarden Euro pro Jahr und damit nur noch auf ein Drittel dessen, was noch 2004 zur Verfügung stand.[21] Auch der Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro für eine Einzelperson wurde seit 2009 nicht mehr verändert und ist damit real deutlich gesunken. Um die Vermögensbildung vor allem in der unteren Hälfte der Vermögensverteilung zu fördern, sollten die verschiedenen etablierten Instrumente der Vermögensbildung gebündelt und fokussiert werden. Das staatliche Fördervolumen sollte zudem wieder auf das Niveau des Jahres 2004, also auf zwölf Milliarden Euro, angehoben werden.

Fußnoten

1.
Vgl. Jan Goebel et al., The German Socio-Economic Panel Study (SOEP), in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 2/2019, S. 345–360; Carsten Schröder et al., The Economic Research Potentials of the German Socio-Economic Panel Study, in: German Economic Review 3/2020, S. 335–371.
2.
Zur Relevanz von gesetzlichen und betrieblichen Rentenanwartschaften vgl. Timm Bönke et al., The Joint Distribution of Net Worth and Pension Wealth in Germany, in: Review of Income and Wealth 4/2019, S. 834–871.
3.
Für weitere Informationen zu dieser Teilstichprobe vgl. Carsten Schröder et al., Verbesserung der Forschungsdateninfrastruktur im Bereich Hochvermögender mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 1084/2020. Das zeitliche Auseinanderfallen der beiden Erhebungszeitpunkte ist der umfangreichen Datenaufbereitung geschuldet. Die damit verbundenen Einschränkungen in der Vergleichbarkeit der Vermögensangaben sind als eher gering anzusehen und dürften die generellen Aussagen in diesem Beitrag nur geringfügig beeinträchtigen.
4.
Daten des "Manager Magazins", Oktober 2017, http://www.readsmarter.de/finanzen-wirtschaft/top1001-reichenliste-deutschland-2017«. Verwendet wurden die ersten 700 auf Personenebene heruntergebrochenen Einträge.
5.
Vgl. Edward N. Wolff, Taxes and the Revaluation of Household Wealth, NBER Working Paper 27328/2020.
6.
Vgl. Europäische Zentralbank, Household Finance and Consumption Survey. Wave 2017, Statistical Tables, März 2020.
7.
Vermögen sind auch innerhalb des Haushalts oft ungleich verteilt. Siehe Markus M. Grabka et al., Wealth Distribution within Couples, in: Review of Economics of the Household 3/2015, S. 459–486; Nicolas Frémeaux/Marion Leturcq, Inequalities and the Individualization of Wealth, in: Journal of Public Economics 4/2020, S. 104–145.
8.
Für einen konsistenten intertemporalen Vergleich der Vermögensungleichheit wurden die Informationen aus der 2019 erstmals erhobenen Teilstichprobe von Anteilseignern an Betriebsvermögen wie auch die Angaben des "Manager Magazins" vernachlässigt.
9.
Vgl. Rolf Kleimann, Ungleichheit – sehen, was der Fall ist, in: Ifo Schnelldienst 2/2020, S. 23–26.
10.
Ohne die Daten des "Manager Magazins".
11.
Im Durchschnitt geben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Hauptmieterhaushalte 27 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens fürs Wohnen aus. Vgl. Statistisches Bundesamt, Wohnen. Miete und Mietbelastungsquote von Hauptmieterhaushalten, 2018, http://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/Tabellen/mietbelastungsquote.html«.
12.
Vgl. Europäische Zentralbank (Anm. 6).
13.
Siehe die Preisindizes des Statistischen Bundesamtes für Deutschland unter www-genesis.destatis.de/genesis/online.
14.
Siehe unter anderem Anette Alstadsæter et al., Tax Evasion and Inequality, in: American Economic Review 6/2019, S. 2073–2103.
15.
Vgl. Giacomo Corneo et al., Distributional Effects of Subsidizing Retirement Savings Accounts: Evidence from Germany, in: FinanzArchiv: Public Finance Analysis 4/2018, S. 415–445.
16.
Vgl. Vierteljahresheft zur Wirtschaftsforschung 1/2019 zur "Zukunft der kapitalgedeckten Alterssicherung in Deutschland – zwischen Staatsfonds und individuellem Vermögenskonto".
17.
Vgl. Peter Gründling/Markus M. Grabka, Staatlich geförderter Mietkauf kann einkommensschwachen Familien Weg in die eigenen vier Wände ebnen, in: DIW Wochenbericht 29/2019, S. 499–506.
18.
Siehe die kontrafaktische Analyse in Maximilian Wenzel/Johannes König, Investment Losses and Inequality, 10.9.2019, https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3446783«.
19.
Vgl. Anita Tiefensee/Markus M. Grabka, Das Erbvolumen in Deutschland dürfte um gut ein Viertel größer sein als bisher angenommen, in: DIW Wochenbericht 27/2017, S. 565–570.
20.
Siehe Fatih Guvenen et al., Use It or Lose It: Efficiency Gains from Wealth Taxation, National Bureau of Economic Research, NBER Working Paper 26284/2019.
21.
Vgl. Timm Bönke/Henrik Brinkmann, Privates Vermögen und Vermögensförderung in Deutschland, Gütersloh 2017.
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