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25.9.2009 | Von:
Marina Rupp

Regenbogenfamilien

Eltern und Kinder

Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Elternschaft spiegeln sich in verschiedenen Familienkonstellationen mit unterschiedlichem Hintergrund wider (vgl. Grafik in der PDF-Version). Zahlenmäßig relevant sind vor allem zwei Konstellationen: Familien mit Kindern, die in dieser Partnerschaft geboren wurden (42 %), und Familien mit Kindern, die aus einer früheren - in der Regel heterosexuellen - Beziehung stammen (ca. 50 %). Kleinere Gruppen bilden Pflegefamilien (6 %) und Familien, die ein fremdes Kind adoptiert haben (2 %), wobei die Adoption meist im Ausland vollzogen wurde.

Die Herkunft der Kinder ist maßgeblich für die formale Beziehung zwischen Kind und nicht-leiblichem Elternteil in der Regenbogenfamilie. Der größte Teil (76 %) der Kinder aus früheren Partnerschaften hat Kontakt zu seinem zweiten Elternteil - zumeist handelt es sich dabei um den Vater. Diese Regenbogenfamilien sind in dieser Hinsicht mit anderen Stieffamilien vergleichbar: Zwar gibt es seltener ein gemeinsames Sorgerecht der getrennten Eltern, da 44 Prozent der Regenbogen-Eltern die elterliche Sorge allein ausüben, aber die Kontaktstruktur ist ähnlich. Das Engagement der "externen" Elternteile bei der Erziehung variiert zwischen kaum und stark. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass die sozialen Elternteile - ähnlich wie in heterosexuellen Stieffamilien - nur sehr selten formale Elternrechte erworben haben. Eine Stiefkindadoption wird mit Blick auf die Beziehungen zum externen Elternteil zumeist nicht in Erwägung gezogen. Nur in vier Familien gab es eine Stiefkindadoption. Sechs Familien mit Kindern aus früheren Beziehungen haben einen gescheiterten Adoptionsversuch hinter sich. Die Abweisung des Ersuchens wurde entweder mit dem bestehenden Sorgerecht des zweiten leiblichen Elternteils oder mit dessen Widerstand begründet.

Die sozialen Eltern wünschen sich sehr häufig eine Stiefkindadoption, zumal sie fast alle angeben, eine gute bis sehr gute Beziehung zu den Kindern zu haben (95 %). Von den Familien mit Kindern aus einer früheren Beziehung leben die Partnerinnen bzw. Partner zu 79 Prozent in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft. Bei den Paaren mit Kindern aus der aktuellen Beziehung liegt der Anteil der "Verpartnerten" mit 88 Prozent noch höher. Die Kinder wurden ganz überwiegend von beiden Partnern - in der Regel Partnerinnen - gemeinsam gewünscht und geplant. Vaterfamilien mit "gemeinsamem Kind" sind sehr selten (2,5 %). Die Mütter wurden oftmals durch eine Samenspende schwanger, wobei es unterschiedliche Vorgehensweisen gibt: So wurde die Befruchtung teils mittels medizinischer Hilfe, teils in "Eigenregie" vorgenommen.[8] Auch die Wege zur Samenspende unterscheiden sich: Manche suchten einen geeigneten Spender im Bekanntenkreis, andere griffen auf eine Samenbank zurück. Insgesamt ist rund die Hälfte der Samenspender bekannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Vaterschaft auch amtlich registriert wurde. Vielmehr sind nur bei 18 Prozent der Kinder, die in die Lebensgemeinschaft hineingeboren wurden, die Väter in das Geburtenbuch eingetragen.

Eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen die Registrierung der Vaterschaft spielt die rechtliche Position des nicht-leiblichen Elternteils. Soll das Kind durch die Partnerin als Stiefkind adoptiert werden, kann die Eintragung des Vaters in das Geburtenbuch als Risiko erscheinen, da dieser und die zuständigen Behörden in die Stiefkindadoption einwilligen müssten. Dies spielt heute bei der Abwägung, ob der Vater angegeben werden soll oder nicht, durchaus eine Rolle. Die ausführlichen Gespräche mit den Eltern zeigten zudem, dass dieses Thema schwierig ist und viele Aspekte zu bedenken sind. Dabei wurde auch dem Interesse des Kindes, beide leibliche Eltern zu kennen, große Bedeutung beigemessen.

Paare, die ihre Kinder gemeinsam geplant und in der aktuellen Beziehung bekommen haben, möchten in der Regel auch Elternverantwortung gemeinsam übernehmen. Dies dokumentiert sich in dem - zumeist von beiden Partnerinnen bzw. Partnern geäußerten - Wunsch nach einer Stiefkindadoption. Bislang ist diese in 42 Prozent der Familien mit eigenem Kind bereits vollzogen worden. In rund 28 Prozent der Familien, die das Verfahren bereits durchlaufen haben, hat der andere leibliche Elternteil der Adoption zugestimmt (in den übrigen Fällen war die Zustimmung nicht erforderlich).

Von den Eltern, welche diesen Schritt noch nicht getan haben, streben fast alle eine Stiefkindadoption an. Nur 7 Prozent lehnen diese ab und 2 Prozent waren zum Befragungszeitpunkt unentschlossen. Dabei sprachen sich die leiblichen Eltern etwas weniger häufig (85 %) für eine Stiefkindadoption aus als die sozialen (97 %). Das Interesse der sozialen Eltern am Erhalt der Elternrechte ist demnach stark ausgeprägt und wird von fast allen Müttern und Vätern mit Kindern aus der aktuellen Beziehung geteilt. In rund zwei Dritteln der adoptionswilligen Familien wurden bereits konkrete Schritte zur Umsetzung des Vorhabens unternommen. Als Motive für die Stiefkindadoption nennen 83 Prozent die rechtliche Absicherung ihrer Elternposition. Aber auch die Anerkennung als Familie (67 %) und der gemeinsame Kinderwunsch (58 %) bilden wichtige Gründe. Materielle Vorteile werden eher selten genannt.

Die Beziehungen zum anderen leiblichen Elternteil gestalten sich in diesen Familienkonstellationen sehr unterschiedlich. Neben der Tatsache, dass der Vater bei rund der Hälfte der Familien nicht bekannt und somit auch nicht greifbar ist, gibt es zum Beispiel die typischen "externen Väter", die sich wenig einmischen, aber mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt zu ihren Kindern pflegen. Es gibt aber auch engagierte Väter, die Verantwortung übernehmen und sich am Erziehungsalltag beteiligen. Alle Väter, die eine Unterhaltspflicht haben, kommen dieser jedoch regelmäßig und in vollem Umfang nach.

Kreative Lösungen der Frage der Elternschaft bildet die queerfamily, in denen sich lesbische und schwule Personen zusammentun, um ihren Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Aber auch in diesen Fällen können biologische und soziale Elternschaft und "amtliches" Elternrecht auseinanderfallen, wenn zum Beispiel die Frauen den Verzicht auf eine Eintragung im Geburtenbuch zur Bedingung machen. So finden sich in der Studie Paare, in denen die Väter zwar eine durchaus aktive Rolle im Leben ihrer Kinder spielen, aber nicht als solche registriert sind.

Fußnoten

8.
Vgl. Birgit Sawatzki, Que(e)r zur Familie. Lebensentwürfe lesbischer Mütter, Marburg 2004.

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