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25.9.2009 | Von:
Dieter Otten
Nina Melsheimer

Lebensentwürfe "50plus"

Lebenslang arbeiten?

Reformprojekte in aller Welt zeigen: Es kann eine faszinierende Erfahrung sein, bis ins hohe Alter zu arbeiten. Wenn aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung über 65 Jahre weiter arbeiten möchte, womöglich bis zum 80. Lebensjahr und darüber hinaus, gerät das gesamte System der Arbeitsmarktregulierung ins Wanken. Zumutbarkeit und Grenzen der Arbeit im Alter müssen deshalb neu bestimmt werden. Die Faszination der bestehenden Modelle geht davon aus, dass die arbeitenden Älteren von jeglichen ökonomischen Zwängen befreit sind: Sie haben ihre Renten sicher. Stehen Ältere aber unter dem Zwang der Erwerbsarbeit, kann und wird der Segen zum Problem werden, Ausbeutung, Lohn- und Rentenkürzung wären nur einige denkbare Folgen. Somit kann die Frage nach der Arbeit im Alter nicht losgelöst von der Frage der sozialen Sicherung diskutiert und beantwortet werden.

Das Ehrenamt allein kann diese Problematik nicht lösen. Es ist nicht darauf eingestellt, Millionen von Menschen auf Dauer eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Möglicherweise hat aber ein altes Konzept, die Eigenarbeit, eine Renaissance vor sich. Das Grundprinzip der Eigenarbeit ist das "Selbermachen statt kaufen": Menschen schließen sich dauerhaft und verlässlich zusammen, um gemeinsam Probleme zu lösen, die sonst nicht oder nicht so gut gelöst werden könnten. So können alleinstehende ältere Menschen beispielsweise in einer Alten-WG die häusliche Pflege in Eigenarbeit übernehmen oder ältere und jüngere Menschen sich im Mehrgenerationenverbund gegenseitig im Haushalt und bei der Kindererziehung unterstützen. In Eigenarbeit können zum Beispiel auch Kindertagesstätten, Hausarbeitsgruppen, Spielkreise oder Werkstätten geführt werden. Die Erfahrung mit solchen Projekten zeigt, dass so etwas am besten gelingt, wenn man auch zusammen wohnt oder siedelt.

Eines steht jedoch fest: Der heutige Normallebenslauf, der um das Berufsleben herum organisiert ist und in dem Menschen mit durchschnittlich 60 Jahren aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert werden, kann mit den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht Schritt halten. Die Ressource Zeit, die nach dem Berufsleben so reichlich vorhanden ist, muss genutzt werden. Diese Chance blieb (bisher) ungenutzt.


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