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24.8.2009 | Von:
Svenja Goltermann

Kriegsheimkehrer in der west-deutschen Gesellschaft

Unwirkliche Vergangenheit

Man kann zusammenfassend sagen, dass in der Nachkriegszeit Viele ein immenses Unbehagen mit sich trugen. Oft ist es nicht zu entscheiden, ob der Blick in die Vergangenheit oder derjenige in die Zukunft den größeren Schrecken einflößte. Doch insgesamt scheint es, als ob eine Stimmung der Verängstigung das Leben einfärbte. Dabei war Unzähligen ihr bisheriges Wirken schon in dem Augenblick zur Bürde geworden, in dem der Einmarsch fremder Truppen nur noch eine Frage von Tagen war. Auch Gustav V. erzählte, er habe, "als der Zusammenbruch da war (...) in seinem Wehrpass ausradiert, dass er Mitglied der DAF war". Viele suchten, wie er, sofort nach einer neuen Identität - eine versuchte Flucht vor der Verantwortung, wie sie auch Hannah Arendt beobachtete. Viele hegten den Wunsch, die Vergangenheit möge unwirklich gewesen sein.

Das zeigen auch die Krankenakten; sie verdeutlichen aber auch, dass die Begegnung mit der Besatzungsherrschaft ein laufendes Dementi der Täuschungsbereitschaft über die eigene Vergangenheit erzwang. Die Zeit der Entnazifizierung wirkte dabei wie eine Art verlängerter Bannzone des nationalsozialistischen Krieges, in der die Vergangenheit und die Auseinandersetzung mit dem Massentod eine nahezu permanente, zermürbende und irritierende Herausforderung war, die den Weg in die Demokratie, vielleicht wider Willen, aber doch von Anbeginn begleitete.


Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?

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