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7.8.2009 | Von:
Andreas Eckert

Entwicklung in Afrika - was geht uns das an? Essay

Hat der Westen eine historische Verantwortung für Afrika?

Es steht außer Zweifel, dass Kritik am Entwicklungshilfesystem grundsätzlich notwendig und berechtigt ist.[17] Was häufig fehlt, ist jedoch die Mühe der differenzierten Erklärung. Diese ist aber auch notwendig, wenn wir über die Frage debattieren, warum uns Afrika etwas angehen sollte. Die eingangs zitierten Gründe der Politiker, sich für Afrika zu interessieren, mögen ideologisch unterschiedlich motiviert sein, dennoch sind sie per se nicht verwerflich. Es spricht nichts dagegen, sich für Afrika zu interessieren, weil ein Ende politischer Konflikte, die Lösung sozialer Probleme, der behutsame Abbau von Rohstoffen und ökologisch nachhaltiger Umgang mit der Natur nicht nur für Afrika, sondern auch für Europa wichtig sind. Problematischer ist die Frage, ob wir uns mit Afrika aus historischen und moralischen Gründen auseinander zu setzen haben. Nicht wenige argumentieren, dass der Westen durch Entwicklungshilfe "Schuld" für Sklavenhandel und Kolonialismus abzutragen habe. Die Rolle Europas im Sklavenhandel und Kolonialismus wird andererseits nicht selten mit dem Hinweis relativiert, das sei zu lange her, um die gegenwärtigen Krisen zu erklären; überdies hätten Afrikaner gerade im Sklavenhandel als willige Helfer gedient.

Weder das eine noch das andere Argument helfen weiter. Nur weil sich einige afrikanische Regierende dreist als Opfer von Kolonialismus und Rassismus stilisieren, um von ihren Fehlleistungen abzulenken, sollte nicht vergessen werden, dass die Haltung Europas gegenüber Afrika seit der Zeit des Sklavenhandels, ja zum Teil bis heute von Rassismus und Paternalismus geprägt ist. Diese Einsicht muss nicht davon abhalten, Fehlentwicklungen in Afrika zu benennen, sollte aber vor Besserwisserei und Arroganz schützen.

Europa und Afrika sind seit Jahrhunderten eng, oft in sehr hierarchischer Weise miteinander verbunden. Deshalb sollte es Ziel sein, gemeinsam mit afrikanischen Kolleginnen und Kollegen nach Erklärungen für die gegenwärtige Situation südlich der Sahara zu suchen. Afrika braucht kein auf Mitleid basierendes Interesse, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung. Und die kann nicht darin bestehen, einfache Lösungen zu präsentieren, mögen diese nun "mehr Geld" oder "gar kein Geld" lauten.

Fußnoten

17.
Für eine differenzierte Darstellung vgl. Franz Nuscheler, Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 2004.

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