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7.8.2009 | Von:
Karl Ulrich Saß

Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Afrika

Wissenschaft für Entwicklung

Neuere Erkenntnisse vor allem der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung sorgen jedoch seit einigen Jahren dafür, dass die Förderung von Wissenschaft und Forschung in Entwicklungsländern zunehmend in einem anderen Licht betrachtet wird. So setzen sich seit den 1980er Jahren vermehrt wachstumstheoretische Erkenntnisse durch, welche die zuvor als sehr stark eingeschätzte Bedeutung primärer Bildung für wirtschaftliches Wachstum relativieren und stattdessen die Rolle der tertiären Bildung stärker akzentuieren. Eine effektive universitäre Bildung hat nach diesen Erkenntnissen vielfältige positive Effekte auf die ökonomische Entwicklung einer Gesellschaft. So führt ein höherer Bildungsgrad in der Regel zu höheren Löhnen und damit höheren Sparquoten sowie zur Investitionsfähigkeit eines größeren Teils der Bevölkerung. Für die entsprechenden Staatshaushalte ist damit eine Erhöhung des Steuereinkommens verbunden.

Auch die nachhaltige und langfristige Verbesserung primärer und sekundärer Bildung wird von Wissenschaftlern als wichtiger Effekt einer intensiveren tertiären Bildung betrachtet. Denn nur dort, wo genügend Universitäten existieren, um Lehrer auszubilden und wo das Einkommen der entsprechend ausgebildeten Eltern ausreicht, um ihren Kindern wiederum eine ausreichende Schulbildung zuteil werden zu lassen, ist ein langfristiger gesellschaftlicher und ökonomischer Ertrag zu erwarten.[14]

Daher sollte neben die weiterhin unverzichtbare Förderung der Grundbildung künftig ein zusätzliches Augenmerk auf die sekundäre und tertiäre Bildung gerichtet werden, um nachhaltige, stabile und wissenschaftlich fundierte Bildungssysteme zu etablieren. Beispiele verdeutlichen, welche positiven Wirkungen von qualitativ verbesserten und quantitativ ausgebauten Wissenschaftssystemen auf die afrikanischen Staaten ausgehen könnten. So sind etwa die Straßenbaukosten in Subsahara-Afrika genauso hoch wie in den westlichen Industriestaaten, weil nicht nur entsprechende Materialien importiert werden müssen, sondern auch das Heranziehen externer Expertise notwendig ist. In Entwicklungsländern, welche über ausreichend ausgebildete Fachkräfte verfügen, belaufen sich die Baukosten hingegen auf ein Drittel.[15] Die Ausbildung von Ingenieuren könnte somit die Kosten von Infrastrukturmaßnahmen in Afrika deutlich vermindern. Doch nicht nur rein technisches Know-how kann zu positiver Entwicklung beitragen, wie ein weiteres Beispiel zeigt: In Kamerun erforschen Sprachwissenschaftler die dort existierenden 279 Sprachen. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Konzeption didaktischer Hilfsmittel ein, welche jungen Menschen das Erlernen der beiden Amtssprachen Englisch und Französisch vom Standpunkt ihrer jeweiligen traditionellen Sprache erleichtern und auf diesem Weg ihre effektive Teilnahme am ökonomischen und gesellschaftlichen Leben des Landes ermöglichen soll.[16]

Fußnoten

14.
Vgl. BMZ (Hrsg.), Wissenschaftsförderung, Hochschulkooperation und Migrationspolitik in der Entwicklungszusammenarbeit: Neue Herausforderungen und Schwerpunkte. Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats beim BMZ, Bonn 2001, insb. S. 8 f.
15.
Vgl. D. Bloom/D. Canning/K. Chan (Anm. 5), S. 9.
16.
Vgl. Gratien G. Altindogbé, Science and Development in Action in Cameroon: a Linguistic Perspective, in: Alexander von Humboldt-Stiftung (Hrsg.), Wissen schafft Entwicklung. Wissenschaftsförderung als Instrument der Entwicklungspolitik, Bonn 2008, S. 39f.

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