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7.8.2009 | Von:
Karl Ulrich Saß

Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Afrika

Neue Kooperationsformen

Die Auffassung, dass die Förderung von Wissenschaft und Forschung in Entwicklungsländern größere entwicklungspolitische Relevanz hat, als bisher angenommen, wurde seit Ende der 1990er Jahre gezielt unter den Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit verbreitet. Maßgeblich verantwortlich hierfür war zunächst die Weltbank. Sie gab dem von ihr veröffentlichten Weltentwicklungsbericht 1998/99 den Untertitel "Wissen für Entwicklung" und unterstrich dabei auch die Notwendigkeit, tertiäre Bildung zu fördern. Als positives Beispiel aus Afrika wurde die Gründung der African Virtual University im Jahr 1995 genannt, die von ihrem Hauptquartier im kenianischen Nairobi aus 27 afrikanische Länder über digitale Medien mit universitärer Bildung- und Weiterbildung versorgt.[17] Während sich der Weltentwicklungsbericht jedoch noch ganz allgemein mit Bildung beschäftigte, nahm sich ein weiterer von der Weltbank erarbeiteter Bericht im Jahr 2000 explizit dem Thema der tertiären Bildung in Entwicklungsländern an.[18] Eine erst kürzlich veröffentlichte Schrift der Weltbank behandelt dieses Thema nun auch speziell mit einem Blick auf die Verhältnisse in Afrika.[19] Im deutschen Zusammenhang widmete sich der wissenschaftliche Beirat des BMZ im Jahr 2001 der Frage, welche Rolle die Förderung von Wissenschaft und Forschung im entwicklungspolitischen Kontext spielt bzw. spielen sollte.[20]

Die Aussagen der genannten Dokumente fielen vor allem in der entwicklungspolitischen Community, aber auch im wissenschaftspolitischen Bereich auf fruchtbaren Boden. So wurden nicht nur die Bemühungen der Entwicklungszusammenarbeit um Wissenschaft und Forschung intensiviert, sondern auch neue Kooperationsformen unter einem verstärkten Engagement wissenschaftlicher bzw. wissenschaftspolitischer Akteure erprobt: Im Rahmen eines von BMZ und BMBF geförderten und vom DAAD umgesetzten Pilotprojekts wird seit 2007 ein internationales Master-Programm zum Wasser- und Ressourcenmanagement gefördert, dessen Fokus allerdings nicht auf Afrika, sondern auf Lateinamerika liegt. Im ebenfalls vom DAAD durchgeführten Förderwettbewerb "Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit" fiel überdies am 9. Juni dieses Jahres die Entscheidung, fünf deutsche Hochschulen bei der Verwirklichung ihrer entwicklungspolitischen Konzepte für zunächst fünf Jahre mit jeweils bis zu fünf Millionen Euro zu unterstützen. Zwar ist auch dieses Programm nicht explizit auf Afrika zugeschnitten, doch sind unter den Partnern der deutschen Hochschulen Institutionen in Äthiopien, Kenia, Mozambique, Südafrika und Tansania zu finden.[21] Ferner gibt es Hinweise darauf, dass sich an der Schnittstelle von Wissenschafts- und Entwicklungspolitik auch ein spezifisches Interesse für Afrika herausbildet: Das BMBF gab bereits 2005 beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) eine Studie in Auftrag, die das wissenschaftliche Kooperationspotential mit Subsahara-Afrika untersuchen sollte und stellte dabei die entwicklungspolitische Komponente der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit mit Afrika ungewöhnlich deutlich in den Vordergrund.[22]

Fußnoten

17.
Vgl. Weltbank, World Development Report 1998/99. Knowledge for Development, Washington 1999, S. 55.
18.
Vgl. dies., Higher Education in Developing Countries. Peril and Promise, Washington 2000.
19.
Vgl. dies. (Anm. 6).
20.
Vgl. BMZ (Anm. 14).
21.
Vgl. DAAD, Pressemitteilung "Exzellenz für Entwicklung", 9. 6. 2009, in: www.daad.de (27. 6. 2009). Die geförderten deutschen Hochschulen sind: TU Braunschweig, U Hohenheim, U Kassel, FH Köln, LMU München.
22.
Vgl. I. Müller (Anm. 8), Vorwort.

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