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7.8.2009 | Von:
Lutz Mükke

Allein auf weiter Flur: Korrespondenten in Afrika

Afrika-Korrespondenten: eine aussterbende Spezies?

Ein Blick auf einige ausgewählte Aspekte der Untersuchung soll das Gesagte veranschaulichen: Gemessen an den Korrespondentenzahlen hat die Afrika-Berichterstattung deutscher Medien ein vorläufiges historisches Tief erreicht. Zum Zeitpunkt der Untersuchung (2006) arbeiteten 28 Afrika-Korrespondenten für deutsche Medien. Das Ende des Kalten Krieges sowie die Medienkrise zu Beginn des 21. Jahrhunderts führten zu deutlichen personellen und inhaltlichen Zäsuren und zu einem Verlust an journalistischer Afrika-Kompetenz und Berichterstattungsvielfalt. Nur sehr wenige deutsche Medienhäuser engagieren sich überhaupt noch mit eigenen Korrespondenten. Lediglich 13 von deutschen Medien fest angestellte Korrespondenten arbeiten in Subsahara-Afrika. Dabei engagieren sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF mit acht entsendeten Korrespondenten herausragend. Nur noch Spiegel, dpa, FAZ und SZ beschäftigen weitere feste Korrespondenten in Afrika südlich der Sahara. Etwa jede fünfte Stelle wurde in den vergangenen Jahren gestrichen. Leitmedien wie FAZ und SZ reduzierten ihr Personal, die Wochenzeitung "Die Zeit" oder der Springer-Auslandsdienst schlossen ihre Büros ganz. Zusammenschlüsse von Regionalzeitungen, die Afrika-Korrespondenten in Kooperation finanzierten, zerbrachen. Private Fernseh- und Rundfunksender verzichten komplett auf Korrespondentenbüros in Subsahara-Afrika. Für zwei Drittel der Korrespondenten sank die Nachfrage nach Afrika-Berichterstattung während ihrer Korrespondententätigkeit, so dass knapp die Hälfte lediglich einen Beitrag pro Woche absetzen kann.

Der starke Abbau von Korrespondentenstellen fügt sich in ein betrübliches Gesamtbild über den Entstehungsprozess von Afrika-Berichterstattung. Zwar ist die Berichterstattung deutscher Medien gemessen an Korrespondentenzahlen im internationalen Vergleich immer noch wahrnehmbar: Neben Briten, Franzosen und Niederländern stellen für deutsche Medien arbeitende Korrespondenten noch erkennbare Anteile der insgesamt überschaubaren und rückläufigen Korrespondenten-Communitys. Aber die Wahrscheinlichkeit des weiteren Abbaus von Korrespondentenstellen ist hoch. Veränderte Kommunikations- und Logistikmöglichkeiten und eine zunehmende Ökonomisierung des Journalismus könnten diese Auflösungstendenzen bestärken. Die Debatte darüber, ob sich die Region nicht auch von Deutschland aus betreuen lasse, wird bereits geführt. Selbst Medien wie "Die Zeit" meinen, Entwicklungen in den Staaten südlich der Sahara von der bundesdeutschen Warte aus verfolgen zu können.


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