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31.7.2009 | Von:
Ludger Heidbrink
Imke Schmidt

Die neue Verantwortung der Konsumenten

Hohe Preise und unzureichende Informationen

Für zahlreiche Verbraucher bedeuten die hohen Preise ökologischer und fair hergestellter Produkte eine Belastung, da sie notgedrungen auf andere Waren und Güter verzichten müssen. Die Ursache dafür, dass nachhaltige Produkte teurer als konventionelle sind, liegt vor allem darin, dass sich ökologische und soziale Kosten konventioneller Produkte nicht im Preis niederschlagen, also externalisiert werden. Billigflieger sind unter anderem deshalb so günstig, weil die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen bisher nicht eingerechnet werden und Kerosin einem günstigen Steuersatz unterliegt. Auch Fleisch aus Massentierhaltung wird zu niedrigen Preisen gehandelt, weil die externen Kosten nicht artgerechter Tierhaltung, gesundheitlicher Risiken und Umweltbelastungen nicht berücksichtigt werden. Besonders im landwirtschaftlichen Bereich werden die Preise zusätzlich durch Subventionen industrieller Methoden verzerrt.[14] Dadurch werden nachhaltige Produkte für den Verbraucher als unverhältnismäßig teuer wahrgenommen.

Darüber hinaus führen Defizite in der Information zu einer verzerrten Wahrnehmung der ökologischen und sozialen Folgewirkungen im Alltagskonsum. Obwohl Missstände wie der Klimawandel oder prekäre Arbeitsbedingungen in Herstellungsländern vielen Menschen mittlerweile bekannt sind, wird der Zusammenhang mit der eigenen Konsumwelt selten hergestellt. Hierzu gehört auch, dass sich viele Verbraucher nicht im Klaren darüber sind, welche Bedeutung die persönliche Kaufentscheidung und die Nutzung eines Produktes für dessen Markterfolg haben. So verschwinden beispielsweise Strom und Wasser sparende Waschmaschinen wieder vom Markt, wenn sie nicht nachgefragt werden, oder verlieren ihre Umweltfreundlichkeit, wenn sie mehrmals täglich bei nicht ausgelasteter Kapazität eingesetzt werden.

Ein weiterer Hinderungsgrund liegt im Fehlen von Transparenz und Vertrauen zwischen Produzenten und Konsumenten. Marketing und Werbung von Unternehmen sind häufig durch eine Irreführung der Konsumenten gekennzeichnet. Die Beispiele reichen von praxisfernen Verbrauchsangaben bei Autos bis hin zu Naturkosmetik, deren einziger natürlicher Bestandteil eine Duftnote ist. Solche und ähnliche Vorgänge, die in der Regel erst durch die Untersuchungen von Experten bekannt werden, zeigen, dass die nachhaltige Qualität von Produkten eine Vertrauenseigenschaft ist, die vom Käufer selber selten überprüft werden kann. Bei Verbrauchern hat sich durch die Skandale und Irreführungen eine erhebliche Skepsis gegenüber den Aussagen von Unternehmen entwickelt.

Fußnoten

14.
Vgl. Bernhard Pötter, König Kunde ruiniert sein Land. Wie der Verbraucherschutz am Verbraucher scheitert. Und was dagegen zu tun ist, München 2006, S. 49.