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31.7.2009 | Von:
Ludger Heidbrink
Imke Schmidt

Die neue Verantwortung der Konsumenten

Verzicht und mangelnde Alternativen

Ein weiterer wichtiger Verhinderungsfaktor resultiert aus dem Umstand, dass verantwortlicher Konsum bisher vorrangig mit negativen Attributen behaftet ist. In einer Kultur, die auf dem Wachstumsprinzip begründet ist, bedeutet die Einschränkung der gewohnten Konsumweisen einen Verzicht auf das gewohnte Streben nach "Mehr": ein größeres Haus, Kirschen im Winter und Ski fahren im Sommer.[15] Nach wie vor gilt das bloße Vorhandensein von Konsumoptionen als Anzeige für Wohlstand und Fortschritt. Demgegenüber hält sich hartnäckig die Ansicht, dass weniger Luxusgüter, Urlaub im eigenen Land oder ein leistungsschwächeres Auto mit einer Einbuße an Lebensqualität einhergehen. Die fehlende Attraktivität verantwortlichen Konsums ist eine wesentliche Ursache dafür, dass sich nur zögerlich die Erkenntnis durchsetzt, dass Konsumverzicht auch einen Gewinn an Freiheit und Genuss bedeuten kann.[16]

Und schließlich kommt der verantwortliche Konsum häufig nicht zustande, weil schlicht und ergreifend keine nachhaltigen Alternativen existieren. Exemplarisch hierfür ist der Bereich der Mobilität, bei dem erhebliche Defizite im Nahverkehr bestehen. So entsprechen Liniennetze und Fahrpläne nicht den Mobilitätsbedürfnissen vieler Verkehrsteilnehmer, einige ländliche Gebiete sind erst gar nicht an das Verkehrsnetz angebunden. Zahlreiche Menschen sind weiterhin auf das Auto angewiesen und können nur ausweichen, wenn sie bereit sind, erheblich verlängerte Fahrzeiten auf sich zu nehmen. Noch schwieriger gestaltet sich die Wahl emissionsarmer Fahrzeuge. Die Technik und Nutzung von Elektroautos ist längst noch nicht so weit ausgereift, dass sie eine echte Alternative bieten, zudem ist die Umweltbilanz nicht viel besser als bei konventionellen Fahrzeugen, solange der eingespeiste Strom aus herkömmlichen Kraftwerken stammt.

Fußnoten

15.
Vgl. Niko Paech, Nachhaltige Entwicklung als kulturelle Herausforderung, in: Forschungsgruppe Unternehmen und gesellschaftliche Organisation (FUGO) (Hrsg.), Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung, Marburg 2004, S. 367.
16.
Vgl. Aloys Prinz/Markus Pawelzik, Warum macht Konsum nicht glücklich?, in: Peter Koslowski/Birger P. Priddat (Hrsg.), Ethik des Konsums, München 2006, S. 35 - 58.