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31.7.2009 | Von:
Ludger Heidbrink
Imke Schmidt

Die neue Verantwortung der Konsumenten

Handlungsspielräume und Verbraucherschutz

Was also ist zu tun, damit die Konsumenten in die Lage versetzt werden, ihrer Verantwortung nachzukommen? Für Verbraucher sind realistische Preise, welche die tatsächlichen Kosten widerspiegeln, eine wichtige Voraussetzung dafür, bewusste Konsumentscheidungen treffen zu können. Viele Verbraucher sind beispielsweise dann bereit, bis zu zehn Prozent höhere Preise für klimafreundliche Produkte zu zahlen, wenn die Qualität stimmt und die Folgen für den Klimaschutz nachweisbar positiv sind.[17] Sollten sich die Preise für nachhaltige und konventionelle Produkte durch die Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten stärker als bisher angleichen, würde dies sicherlich zu einer stärkeren Verbreitung verantwortlicher Produktions- und Konsummuster beitragen.

Was den Mangel an nachhaltigen Alternativen betrifft, können veränderte Rahmengesetze und politische Investitionen für größere Handlungsspielräume sorgen. Beispielhaft hierfür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (novellierte Fassung 2009), das den Ausbau der regenerativen Energien fördert und damit den Zugang zu alternativen Stromquellen verbessert. Im Verkehrsbereich muss dringend in die Infrastruktur des Nahverkehrs investiert werden, um Verbraucher zum Umsteigen auf Bahn und Bus zu bewegen. Die politische Förderung nachhaltiger Mobilitätsstile sollte sich auch auf Konzepte wie das Car-Sharing richten, das unter anderem wegen fehlender Stellplätze in Innenstädten kaum genutzt wird.

Diese Maßnahmen nützen jedoch nur wenig, wenn Rechte, Informationen und Bildung der Verbraucher nicht besser geschützt und unterstützt werden. Mit dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) aus dem Jahr 2007, das Konsumenten den Zugang zu Produktinformationen erleichtern soll, ist ein erster Schritt in diese Richtung getan worden, auch wenn er aufgrund fehlender Transparenz von der Verbraucherzentrale als unzureichend kritisiert wird.[18] Weitere Puzzleteile auf dem Weg zum besser informierten Verbraucher sind Labels und Siegel, die Aufschluss über Bestandteile und Herstellungsbedingungen von Produkten geben. Allerdings gibt es derzeit einen Dschungel von etwa zwanzig Siegeln, in dem sich Verbraucher zurechtfinden müssen und in dem sie sich vermutlich häufig verirren. Notwendig ist deshalb die Einführung neutraler und verlässlicher Kennzeichnungen mit klaren Standards und unabhängiger Kontrolle.

Fußnoten

17.
Vgl. Carsten Wippermann/Marc Calmbach/Silke Kleinhückelkotten, Umweltbewusstsein in Deutschland 2008. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, Heidelberg-Hannover 2008, S. 34.
18.
Vgl. Verbraucherinformationsgesetz versagt im Alltag, Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Bundesverband vom 14.1. 2009, in: www.vzbv.de/start/ index.php?page=themen&bereichs_id=1&themen _id=3&mit_id=1108&task=mit&search_1=verbraucher informationsgesetz&search_2=&hiliting=yes (2.6. 2009).