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31.7.2009 | Von:
Ludger Heidbrink
Imke Schmidt

Die neue Verantwortung der Konsumenten

Vernetzung und gemeinsame Dialoge

Das Internet ermöglicht es den Verbrauchern nicht nur, einfacher an Informationen über Produkte und Unternehmen zu gelangen. Es hilft ihnen auch dabei, sich besser untereinander zu vernetzen und damit das Bewusstsein der eigenen Selbstwirksamkeit zu verstärken. Portale wie Facebook oder Twitter, aber auch Verbraucherplattformen wie Utopia verbinden Millionen von Nutzern und können demokratische (Gegen-)Öffentlichkeiten schaffen. Verbraucherverbände und Nichtregierungsorganisationen tragen ebenfalls dazu bei, die Interessen von Konsumenten zu bündeln, ihnen eine Stimme zu geben und sie öffentlich zu vertreten.

Schließlich stellen auch Bildungsmaßnahmen ein probates Mittel dar, um aus Bürgern verantwortliche Konsumenten zu machen. So sollten schon in der Schule nachhaltige Konsumpraktiken gelehrt und in Fächern wie "Verbraucherkunde" bessere Konsumkompetenzen vermittelt werden. Bildungsmaßnahmen sind eine wichtige Voraussetzungen dafür, dass Verbraucher ein Bewusstsein für die politische Tragweite ihrer Kauf- und Konsumentscheidungen entwickeln. Die "Demokratie der Konsumenten" (Wilhelm Röpke) beruht nicht nur auf materiellen Mitteln und konkreten Handlungsspielräumen, sondern auch auf geteilten Wissensbeständen und kollektiven Wertvorstellungen.

Zu diesem Zweck sind Foren des gemeinsamen Dialogs nötig, die der Verständigung über konfligierende Ansprüche dienen und die Einflussnahme der Konsumenten auf Unternehmensentscheidungen und die politische Gesetzgebung erhöhen. Zu den partizipatorischen Instrumenten, die für eine funktionierende Verbraucherdemokratie unerlässlich sind, gehören Kundenparlamente, bei denen sich Kunden und Unternehmen über Produkte und Dienstleistungen austauschen, oder Stakeholder-Foren wie der "Nationale Dialogprozess zur Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster", dessen Ziel es ist, privatwirtschaftliche, zivilgesellschaftliche und politische Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen, Innovationsallianzen zu bilden und gegenseitige Missverständnisse schon im Vorfeld zu verhindern.[19]

Fußnoten

19.
Vgl. www.dialogprozess-konsum.de (1.6. 2009).