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31.7.2009 | Von:
Christine Henseling
Birgit Blättel-Mink
Jens Clausen
Siegfried Behrendt

Wiederverkaufskultur im Internet: Chancen für nachhaltigen Konsum

eBay als Forschungsgegenstand nachhaltigen Konsums

Der Onlinehandel ist dabei, aus seiner Nische herauszuwachsen. Allein eBay dokumentiert bei über 14,5 Millionen aktiven Mitgliedern in Deutschland im März 2009 17 768 000 Besucher. Die monatliche Nutzungsdauer der eBay-Website beträgt durchschnittlich zwei Stunden pro Kopf. Deutsche eBay-Nutzer und -nutzerinnen verbringen im Durchschnitt 14,2 Prozent ihrer Online-Zeit bei eBay.[8] Im Durchschnitt waren im Jahr 2008 ständig mehr als 30 Millionen Artikel im Angebot.[9] Damit ist eBay in der Gruppe der Plattformen, auf denen mit gebrauchten Produkten gehandelt wird, dominierend. eBay ist der einzige erlektronische Markt für Gebrauchtwaren, auf dem nichtgewerbliche Anbieter durchweg hohe Anteile der Angebote einstellen. Für die Analyse des Gebrauchtwarenhandels von Prosumern,[10] im Sinne des privaten Erbringens von Produktionsleistungen, ist eBay die mit Abstand am besten geeignete Plattform.

Beim Gebrauchtwarenhandel lässt sich eine Reihe von Produktgruppen unterscheiden, deren Unterscheidung deshalb von besonderer Bedeutung ist, weil durch ihren Neu- oder Gebrauchtverkauf unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit berührt werden:
  • die Gebrauchsware (Möbel, Einrichtungsgegenstände etc.), die zum Zweck der dauernden Nutzung erworben wird und deren gebrauchter Erwerb im Regelfall Neuproduktion verhindert;
  • die aktuelle Technologieware wie Handys, Notebooks und Digitalkameras, die trotz eines insgesamt unter Umständen kurzen Lebens aus Gründen der Bevorzugung aktueller Modelle manchmal sogar mehrfach in kurzer Zeit verkauft wird;
  • die kurzlebige Ware, deren Nutzung wie im Fall von Modekleidung kaum erfassbar ist und deren Besitz nahtlos ins Sammeln übergeht;
  • die Kulturware wie Bücher, Filme, CDs, deren Nutzung auf kurze Episoden beschränkt ist, schlecht quantifiziert werden kann und deren Besitz oft auch mit Sammeltendenzen verbunden ist;
  • die Sammlerware, die wie im Fall der Antiquitäten, Münzen und Briefmarken überhaupt nicht neu produziert werden kann und insoweit für eine auf die Vermeidung von Neuproduktion gerichtete Analyse ohne Interesse ist;
  • die Verbrauchsware der Kategorien Beauty, Feinschmecker etc.
Die Frage der Vermeidung von Neuproduktion ist bei der Verbrauchsware eindeutig positiv zu beantworten; da sie aber eben "verbraucht" wird, hat sie quasi keine Lebensdauer. Letztlich handelt es sich daher im Handel immer um Neuware, die unter Umständen aus zweiter Hand verkauft wird.

Mit Blick auf die Hebung von Nachhaltigkeitspotenzialen durch Lebensdauerverlängerung und Vermeidung von Neuproduktion durch den Gebrauchtwarenhandel scheinen aus diesem Spektrum besonders die Gebrauchsware und die Technologieware interessant zu sein. Auch bestimmte Kategorien der kurzlebigen Ware und der Kulturware bieten - vermutlich geringere - Nachhaltigkeitspotenziale.

Fußnoten

8.
Vgl. Nielsen NetRatings, NetRating March 2009. Zitiert nach: eBay Deutschland in Fakten. Online unter http://presse.ebay.de/news.exe?content=FD ( 7.5. 2009).
9.
Vgl. eBay GmbH, eBay Deutschland in Fakten. Online: http://presse.ebay.de/news.exe?content=FD (7.5. 2009).
10.
Der Begriff des "Prosumers" wurde von Alvin W. Toffler eingeführt: Alvin W. Toffler, The Third Wave, London 1980.