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6.1.2009 | Von:
Konstadinos Maras

Lobbyismus in Deutschland

Informationelle Ressourcen des Lobbyismus

Bei der weiteren Konkretisierung des Begriffes der illegitimen Aneignung von öffentlichen Ressourcen liegt der Fokus im Folgenden auf den informationellen Ressourcen. Als kollektive Repräsentation einzelwirtschaftlicher Interessen kommt der Verbandslobby gegenüber den Ministerialbürokratien die zentrale Rolle der Informationsvermittlung zu. Die Informationsressourcen in Bezug auf die einzelnen Mitgliederunternehmen beziehen sich auf - Rahmenbedingungen ihres wirtschaftlichen Agierens, - ihr wirtschaftliches Potenzial (Absatzvolumen, Profitraten, Zahl der beschäftigten Mitarbeiter, Höhe der Investitionen, etc.) und - die Ausformung ihres ökonomischen Handelns, das heißt langfristige Zielsetzungen beziehungsweise strategische Präferenzen.

Zusammengenommen scheinen diese Aspekte informationeller Ressourcen eine gewisse Vorteilsposition der Verbände sowohl gegenüber ihren einzelnen Mitgliedern als auch dem administrativen Staatsapparat zu begründen. Ohne dieses Expertenwissen wären die Ministerialbürokratien gezwungen, die notwendigen Informationen auf anderen, weniger komfortablen Wegen einzuholen. Angesichts dessen und angesichts der Komplexität gegenwärtiger Gesetzesverfahren verwundert es daher nicht, dass der informationelle Einfluss der Verbandsorganisationen, der in die Entscheidungsprozesse öffentlicher Verwaltungen einfließt, immer größer wird. Diese Entwicklung steht einerseits dem traditionellen, am Prinzip objektiver, sachbezogener Rationalität orientierten Selbstverständnis der Staatsadministration entgegen. Sie stellt aber andererseits auch eine unvermeidliche Nebenwirkung des Versuchs des Staates dar, zur Wirtschaft (und Gesellschaft) aufzuschließen. In jedem Fall muss der informationellen Zuarbeit der Lobbyorganisationen ein zentraler Stellenwert im Beziehungsgefüge von Politik und Wirtschaft zugewiesen werden.