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13.12.2010 | Von:
Maja Malik

Armut in den Medien

Fazit

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und die Wahrnehmung einzelner Bürger sowie entscheidender Personen und Institutionen für Probleme der Armut und Ausgrenzung wird wesentlich dadurch geprägt, wie diese Themen in den Medien behandelt werden. Allerdings ist der Umgang der Medien mit Themen im Zusammenhang mit Armut äußerst unterschiedlich. Die vorgestellte Studie zeigt, dass verschiedene Medien in sehr unterschiedlichem Maß über Armut berichten.

Eine Armutsberichterstattung findet durchaus auch jenseits spektakulärer Anlässe und über vielfältige Themen statt, welche die Vielschichtigkeit der Armut repräsentieren. Allerdings ist ihre Reichweite in der Öffentlichkeit auf das Publikum derjenigen Medien beschränkt, die durch ihre redaktionellen Strukturen eine kontinuierliche Berichterstattung über Armutsthemen ermöglichen. Denn nur sehr wenige Themen werden jenseits besonderer Ereignisse von verschiedenen Medien gleichzeitig aufgegriffen.

Diejenigen Medien, die häufiger Themen im Zusammenhang mit Armut und Ausgrenzung aufgreifen, berichten allerdings durchaus differenziert, so dass der Komplexität des Themas Rechnung getragen wird. Die strukturellen Bedingungen, die Folgen und die Lösungsmöglichkeiten von Armutsproblemen werden regelmäßig zum Gegenstand der Berichterstattung und nicht durch Personalisierung, Emotionalisierung oder Skandalisierung verdrängt. Nur der Blick auf die Akteure der Berichterstattung zeigt, dass stereotype Muster der Armut auch durch die Medien erzeugt und verbreitet werden. Von Armut betroffene Menschen werden selten als individuelle und aktive Akteure präsentiert.

Betrachtet man die Ursachen der unterschiedlichen intensiven Berichterstattung und der teilweise stereotypen Darstellung von Armut, so offenbart sich eine komplexe Problematik, denn die Mechanismen vieler Medien stehen im Widerspruch zu den Mechanismen der Armut: Während journalistische Medien vor allem aktuelle Ereignisse für ihre Berichterstattung aufgreifen, ist Armut nur selten ein akut auftretendes, sondern in der Regel ein permanentes und dauerhaft relevantes Problem. Zudem sind von Armut betroffene Menschen vergleichsweise wenig öffentlich sichtbar. Sie ziehen sich eher aus der Öffentlichkeit zurück als andere gesellschaftliche Gruppen und sind umgekehrt wegen ihrer Armut deutlich häufiger als andere von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Im Vergleich zu anderen journalistischen Themengebieten unterliegt die Berichterstattung über Armut und Ausgrenzung daher besonderen Schwierigkeiten.

Insgesamt ergibt sich der Befund, dass die öffentliche Darstellung von Problemen der Armut an verschiedenen Stellen verbessert werden könnte. Zudem ist der Umgang der Medien mit Armut und Ausgrenzung nach wie vor nicht hinreichend untersucht. Unklar ist daher, inwiefern die dargestellten Berichterstattungsmuster auch bei anderen Medien, über größere Zeiträume hinweg oder zu Zeiten mit besonderen Ereignissen im Zusammenhang mit Armut und Ausgrenzung angewandt werden.


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